Tiertragödie am Schäfersee: Zwei Schwanenküken grausam getötet
Reinickendorf. Am Schäfersee an der Residenzstraße wurden zwei Schwanenküken brutal getötet. Die beiden erst kürzlich geschlüpften Tiere wurden tot im Wasser gefunden. Nun herrscht große Sorge um die restlichen Wasservögel.
Die Mitglieder der Projektgruppe Schäfersee, die sich um den Schutz des Gewässers, des Parks und der Natur kümmert, entdeckten bei der Absuche des Ufers am Zulauf das erste tote Küken im Wasser. 30 Meter weiter lag das zweite Tier.
„Beide Küken hatten schlimme Hals- und Kopfverletzungen, die ziemlich sicher von einem Hund kommen. Ein Fuchsbiss hätte anders ausgesehen und ein Fuchs hätte die Tiere wohl auch zumindest teilweise gefressen“, sagt Gruppenmitglied Corinna Winkler zur Morgenpost. Die Anwohner sind überzeugt: Ein Hundebesitzer hat seinen Hund unangeleint laufen lassen – und dieser hat die beiden Küken getötet. „Hier laufen viel zu oft Hunde ohne Leine herum. Und dann muss der Besitzer sie ins Wasser geworfen haben, um den Vorfall zu vertuschen“, so die Vermutung.
Genetische Besonderheit: Zwei Schwanenküken als „Polnische Schwäne“
Die alarmierte Polizei hat eine Anzeige gegen unbekannt aufgenommen. In den Tagen danach waren die Schwaneneltern verstört und haben andere Menschen, besonders solche mit Hunden, sofort angefaucht, berichtet die Schäfersee-Gruppe.
Unter den verbliebenen fünf Schwanenküken sind zwei mit einer genetischen Besonderheit, der sogenannten „Immutabilis-Variante“. Umgangssprachlich spricht man von „Polnischen Schwänen“. Während normale Küken des Höckerschwans mit silbergrauem oder graubraunem Daunenkleid schlüpfen, kommen diese Küken durch eine Genmutation hellbeige bis reinweiß zur Welt. Neben dem weißen Gefieder haben Immutabilis-Küken auffällig helle, rosa bis fleischfarbene Beine und Füße. Normale Schwanenküken besitzen dagegen dunkelgraue bis schwarze Läufe.
Brote im See: Lebensmittelentsorgung gefährdet Schwäne und Küken
Wegen der verbliebenen Küken herrscht weiter Sorge – zum einen wegen der Hunde, aber auch aus einem anderen Grund: Auf Höhe der Terrasse vor dem Café am See entdeckten die Umweltschützer rund 50 Brote und weitere Backwaren im See – teilweise noch in Folie verpackt. Die Schwäne machten sich gerade daran zu schaffen. Zusammen mit den Parkläufern hat Corinna Winkler schnellstmöglich den größten Teil des Brotes mit Harken mühsam aus dem Wasser geholt, in große Plastiksäcke gepackt und entsorgt. Die schiere Menge der Backwaren spricht dafür, dass es sich nicht um die Aktion einer Privatperson handelt, sondern eher um Lebensmittelentsorgung eines Geschäfts.
Immer wieder kommt es vor, dass Passanten Wasservögel mit Brot füttern. Aber für Schwäne ist es sehr schädlich. Es quillt im Magen auf, enthält zu viel Salz und Zucker und kann tödliche Verdauungsprobleme oder Organverfettung auslösen. Brotreste im Wasser lassen zudem die Algen wachsen. Dadurch wird im Gewässer Sauerstoff knapp und im schlimmsten Falle bricht das Ökosystem des Sees zusammen.
Die Projektgruppe Schäfersee appelliert an alle Besucher, Hunde anzuleinen und keine Lebensmittel in den See zu werfen, um die verbliebenen Schwanenküken und die gesamte Tierwelt zu schützen.



