ADHS als unterschätzte Ursache für chronische Schmerzen? Neue Studie aus Japan
ADHS und chronische Schmerzen: Studie enthüllt neuen Zusammenhang

Chronische Schmerzen, die auf herkömmliche Behandlungen nicht ansprechen, könnten laut einer neuen Studie aus Japan mit einer unerkannten Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zusammenhängen. Forscher der Universität Tokio fanden heraus, dass ADHS-bezogene Symptome bei Patienten mit schweren chronischen Schmerzen rund 2,4-mal häufiger vorkommen als in der Allgemeinbevölkerung. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Nature“ veröffentlicht.

Studie analysiert Daten von fast 1000 Schmerzpatienten

Das Team um Studienleiter Dr. Satoshi Kasahara vom Universitätsklinikum Tokio untersuchte die Krankendaten von knapp 1000 Patienten, die in spezialisierten Schmerzzentren in ganz Japan behandelt wurden. Sie analysierten, wie häufig ADHS- und autismusbezogene Symptome in dieser Gruppe auftraten, und verglichen die Werte mit der Allgemeinbevölkerung. Besonders auffällig: Von den Patienten mit extrem starken Schmerzen wurde über ein Viertel positiv auf ADHS getestet.

„Diese Merkmale korrelierten zudem eng mit der Schmerzintensität sowie mit psychologischen Faktoren wie Angstzuständen, Depressionen und einer negativen Einstellung zum Schmerz“, erklärte Kasahara in einer Pressemitteilung. Für autismusbezogene Symptome fanden die Forscher hingegen keinen signifikanten Zusammenhang.

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Indirekter Zusammenhang über psychologische Faktoren

Die Forscher gehen davon aus, dass ADHS-Symptome wie Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation die Schmerzwahrnehmung indirekt verstärken – und zwar durch erhöhte Angstzustände, Depressionen und negative Denkmuster. „In unserer Praxis begegnen wir häufig Patienten mit chronischen Schmerzen, die auf herkömmliche Behandlungen nicht gut ansprechen. Viele dieser Patienten weisen Symptome auf, die typischerweise bei ADHS beobachtet werden“, so Kasahara.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden weltweit etwa 20 Prozent der Menschen an chronischen Schmerzen. Oft finden sie trotz verschiedener Therapieansätze keine Linderung. Die Studie legt nahe, dass eine unerkannte ADHS bei einem Teil dieser Patienten eine Rolle spielen könnte.

ADHS-Diagnose könnte Behandlung verbessern

Viele Erwachsene mit ADHS seien nicht diagnostiziert, betonen die Forscher. Auch bei Untersuchungen wegen chronischer Schmerzen werde die Störung häufig übersehen. Eine gezielte ADHS-Diagnose könnte helfen, die Behandlungsmöglichkeiten besser einzugrenzen und individuell anzupassen. Kasahara empfiehlt eine ganzheitliche Therapie: „Ansätze wie die kognitive Verhaltenstherapie und Rehabilitationsprogramme mit Bewegungstherapie gelten als wirksam bei der Linderung von Angstzuständen, Depressionen und negativen Gedankenmustern im Zusammenhang mit Schmerzen.“ Auch Psychoedukation – das gezielte Verstehen der eigenen ADHS-Symptome – könne eine wichtige Rolle spielen. „Ein umfassender Ansatz, der medizinische, psychologische und rehabilitative Maßnahmen kombiniert, dürfte am effektivsten sein“, so der Studienautor.

Das Forschungsteam plant nun weitere Studien, um zu untersuchen, ob und wie die gezielte Behandlung von ADHS zur Linderung chronischer Schmerzen beitragen kann. Die rechtzeitige Diagnose und Therapie von ADHS bei Schmerzpatienten könnte laut den Forschern nicht nur deren Schmerzen lindern, sondern auch den allgemeinen Gesundheitszustand verbessern.

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