Rund 500 Mal bekommen Frauen im Laufe ihres Lebens im Durchschnitt ihre Periode. Zusammengerechnet menstruieren sie etwa sieben Jahre und verlieren dabei bis zu 30 Liter Blut. Bauchkrämpfe, Rückenschmerzen, Übelkeit oder Migräne sind häufige Begleiter. Doch bei vielen beginnen die Beschwerden schon früher: 20 bis 30 Prozent aller Frauen kämpfen bereits in den Tagen vor der Menstruation mit Erschöpfung, Reizbarkeit, Konzentrationsproblemen oder depressiven Verstimmungen. Medizinisch spricht man vom prämenstruellen Syndrom (PMS).
ADHS und PMS: Eine besondere Belastung
Frauen mit ADHS sind besonders häufig von PMS betroffen. Je nach Studie ist bei fast der Hälfte von ihnen ein prämenstruelles Syndrom feststellbar. Untersuchungen zeigen zudem, dass die Beschwerden bei ADHS-Betroffenen stärker ausgeprägt sind. Auch Bettina, 39 Jahre alt, leidet unter den monatlich wiederkehrenden Symptomen. Von ihrer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) weiß sie erst seit rund einem Jahr. Als sie wegen starker Ängste und einer Depression eine Fachärztin aufsucht, bemerkt diese Anzeichen einer ADHS und bietet eine Diagnostik an – die den Verdacht bestätigt.
„Emotional instabil, überfordert, ängstlich“
Bettina beschreibt die Tage vor ihrer Periode oft als Ausnahmezustand. „Ich bin dann emotional instabil, überfordert und ängstlich“, sagt sie. Die Kombination aus ADHS und PMS verstärke ihre Symptome massiv. „Es fühlt sich an, als ob mein Gehirn noch chaotischer arbeitet als sonst. Ich kann mich kaum konzentrieren, bin extrem reizbar und habe das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren.“ Diese Erfahrung teilen viele Frauen mit ADHS. Die Hormonschwankungen in der zweiten Zyklushälfte, insbesondere der Abfall von Östrogen und Progesteron, wirken sich auf die Neurotransmitter im Gehirn aus und verstärken ADHS-typische Symptome wie Impulsivität, emotionale Dysregulation und Konzentrationsschwierigkeiten.
Experten erklären die Zusammenhänge
Fachleute bestätigen, dass Frauen mit ADHS empfindlicher auf hormonelle Veränderungen reagieren. „Östrogen beeinflusst die Dopamin- und Noradrenalinspiegel im Gehirn, die bei ADHS ohnehin dysreguliert sind“, erklärt eine Expertin. „Der prämenstruelle Östrogenabfall kann daher zu einer Verschlechterung der ADHS-Symptome führen.“ Zudem sei die Diagnose ADHS bei Frauen oft spät gestellt, da die Symptome häufig als typisch weiblich wie Stimmungsschwankungen oder Erschöpfung abgetan würden. Dabei könne eine frühzeitige Erkennung und Behandlung helfen, die Belastung zu reduzieren.
Was Bettina heute hilft
Bettina hat inzwischen Strategien entwickelt, um mit der Doppelbelastung umzugehen. „Ich achte bewusst auf meinen Zyklus und plane stressige Termine möglichst nicht in der PMS-Zeit“, berichtet sie. „Außerdem helfen mir leichte Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf.“ Auch die ADHS-Medikation habe sie in Absprache mit ihrer Ärztin angepasst. „Seit ich weiß, dass meine ADHS die PMS-Symptome verstärkt, kann ich besser damit umgehen. Die Diagnose war eine große Erleichterung.“ Experten empfehlen zudem Entspannungstechniken, Psychotherapie und bei Bedarf hormonelle Verhütungsmittel, um den Hormonspiegel zu stabilisieren. Wichtig sei, dass betroffene Frauen ihre Beschwerden ernst nehmen und sich professionelle Hilfe suchen.



