Antibiotika werden weltweit nicht optimal eingesetzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Fachjournal „The Lancet Public Health“. Demnach werden einfache Mittel für häufige bakterielle Infektionen zu wenig genutzt, während in ärmeren Ländern oft die letzten Reserveantibiotika verabreicht werden, die bei schweren Infektionen durch multiresistente Erreger notwendig sind.
WHO-Kategorien als Maßstab
Das Forschungsteam um Aislinn Cook von der City St George's, University of London, orientierte sich an den drei Kategorien, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2017 eingeführt hat: „Access“ (einfache Mittel für häufige Infektionen), „Watch“ (speziellere Mittel mit höherem Resistenzrisiko) und „Reserve“ (letzte Mittel bei schweren Infektionen durch multiresistente Erreger).
„Die Gewährleistung eines gerechten und angemessenen Zugangs zu wirksamen, essenziellen Antibiotika ist von zentraler Bedeutung für die Ziele für nachhaltige Entwicklung“, schreiben die Studienautoren.
Daten aus 186 Ländern
Die Forscher nutzten verschiedene Datenbanken, um die Antibiotikanutzung in 186 Ländern und Territorien zu erheben. Diese Gebiete teilten sie in vier Cluster ein, die nach Durchschnittseinkommen, soziodemografischen Daten, Infektionslast und vorhandenen Resistenzen vergleichbar waren. Fehlende Daten wurden durch Modellrechnungen ergänzt.
Die Ergebnisse zeigen ein deutliches Ungleichgewicht: Während in wohlhabenden Ländern häufig „Watch“-Antibiotika verschrieben werden, greifen Mediziner in ärmeren Regionen oft zu „Reserve“-Antibiotika, obwohl einfachere Mittel ausreichen würden. Dies fördert die Entstehung von Resistenzen und gefährdet die Wirksamkeit der letzten Behandlungsoptionen.
Folgen für die globale Gesundheit
Die Studie unterstreicht die Dringlichkeit eines rationaleren Antibiotikaeinsatzes. Nach Angaben der WHO sterben jährlich etwa 1,3 Millionen Menschen direkt an Antibiotikaresistenzen. Ohne Gegenmaßnahmen könnten es bis 2050 zehn Millionen Todesfälle pro Jahr sein.
Die Autoren fordern daher eine bessere Überwachung des Antibiotikaeinsatzes und gezielte Maßnahmen, um den Zugang zu einfachen Mitteln zu verbessern und den unnötigen Einsatz von Reserveantibiotika zu reduzieren.



