Eine darmfreundliche Ernährung könnte das Sterberisiko bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit deutlich senken. Das legt eine Auswertung von Daten der US-Gesundheitsstudie NHANES nahe, die nun veröffentlicht wurde. Demnach hatten Teilnehmer mit einer Ernährung, die das Darmmikrobiom besonders unterstützt, ein um bis zu 40,7 Prozent geringeres Sterberisiko während der Nachbeobachtung.
Studiendesign und Ernährungsindex
Die Forscher berechneten für 1537 Erwachsene mit koronarer Herzkrankheit den „Dietary Index for Gut Microbiota“ (DI-GM) auf Basis eines 24-Stunden-Ernährungsprotokolls. Dieser Index bewertet, wie förderlich die Ernährung für die Darmflora ist – je höher der Wert, desto stärker unterstützt sie das Darmmikrobiom. Die Teilnehmer wurden in vier Gruppen eingeteilt: Werte von 0–3, 4, 5 sowie 6 oder mehr (maximal 14 Punkte).
Positiv in den Index fließen unter anderem Ballaststoffe, Vollkornprodukte, fermentierte Milchprodukte, Kaffee, grüner Tee und pflanzliche Lebensmittel ein. Negativ bewertet werden rotes und verarbeitetes Fleisch, raffiniertes Getreide sowie eine fettreiche Ernährung.
Ergebnisse: Plateau-Effekt und Diabetes-Unterschiede
Insgesamt zeigte der Index keinen klaren Zusammenhang mit der Sterblichkeit, nachdem andere Faktoren berücksichtigt wurden. Beim Vergleich der einzelnen Gruppen ergab sich jedoch ein differenzierteres Bild: Teilnehmer mit einem DI-GM-Wert von 5 hatten ein um 40,7 Prozent geringeres Sterberisiko als Personen mit den niedrigsten Werten. Bei einem Wert von 6 oder höher lag die Risikoreduktion bei 35,1 Prozent. Auffällig: Ab einem Wert von 5 schien der Großteil des möglichen Schutzeffekts erreicht – eine noch stärker darmfreundliche Ernährung war paradoxerweise eher nachteilig. Dieses Phänomen bezeichnen Fachleute als „Plateau-Effekt“.
Bei Menschen mit Diabetes fielen die Ergebnisse anders aus. Zwar schien eine darmfreundliche Ernährung auch bei ihnen das Sterberisiko zu mindern, aber weniger stark als bei Nicht-Diabetikern.
Studiencharakter und Einschränkungen
Die Teilnehmer der Studie waren im Schnitt 68 Jahre alt, rund zwei Drittel waren Männer. Sie wurden zwischen 2005 und 2018 erfasst und bis Ende 2019 nachverfolgt. Während dieser Zeit starben 37,4 Prozent der Studienteilnehmer.
Die Autoren vermuten, dass ballaststoffreiche und pflanzliche Lebensmittel nützliche Darmbakterien fördern, die entzündungshemmende Stoffe bilden und die Blutgefäße unterstützen können. Allerdings kann die Beobachtungsstudie nicht belegen, dass die Ernährung die Ursache für das geringere Sterberisiko ist. Zudem wurde die Ernährung nur an einem einzigen Tag erfasst, was die Aussagekraft einschränkt.



