Der europäische Copernicus-Dienst zur Überwachung der Atmosphäre (CAMS) hat bekannt gegeben, dass die weltweiten Emissionen aus Vegetationsbränden in der ersten Hälfte des Jahres 2026 den niedrigsten Stand seit Beginn der Erfassung im Jahr 2003 erreicht haben. Ende Juni betrugen die weltweiten Kohlenstoffemissionen aus der Verbrennung von Biomasse knapp 400 Megatonnen Kohlenstoff – ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu über 700 Megatonnen im brandintensiveren ersten Halbjahr 2023.
Positive Halbjahresbilanz mit Einschränkungen
Die Emissionen aus Waldbränden umfassen nicht nur CO₂, sondern auch Ruß und weitere Schadstoffe, die sich erheblich auf Gesundheit und Umwelt auswirken. Trotz der positiven Bilanz für das erste Halbjahr 2026 weist das CAMS-Team selbst darauf hin, dass die Brandaktivität in Nordamerika, Europa und Asien Ende Juni rapide zugenommen hat. Das positive Bild könnte sich daher schnell ändern.
Die meisten Emissionen entstanden 2026 mit etwa 150 Megatonnen Kohlenstoff in Afrika und mit etwa 110 Megatonnen in Asien. In diesen Regionen wird in der Trockenzeit traditionell großflächig Feuer zur Landrodung eingesetzt. Im Juni führten vor allem Blitzeinschläge in Nordamerika zu großen Waldbränden, insbesondere in den Nordwest-Territorien und Manitoba in Kanada. Dennoch liegen die Emissionen Kanadas noch unter dem langjährigen Durchschnitt.
Ursachen für den Rückgang: weniger Brandrodung in Afrika
Mark Parrington, leitender Wissenschaftler bei CAMS, erklärte gegenüber dem Tagesspiegel: „Es gibt Hinweise darauf, dass Waldbrände insbesondere in den hohen nördlichen Breitengraden zunehmen.“ So komme es zu großflächigen und lang anhaltenden Waldbränden in Kanada, den USA und im äußersten Osten Russlands. Den langjährigen Rückgang der Emissionen führen Parrington und sein Team auf weniger Brandrodungen, vor allem im tropischen Afrika, zurück. „Verschiedene Studien haben gezeigt, dass die Zahl der Savannenbrände in den Tropen in den letzten zwei Jahrzehnten abgenommen hat“, so Parrington.
Matthias Forkel von der Technischen Universität Dresden bestätigt die Beobachtung: „In Asien und insbesondere in Afrika ist ein Trend abnehmender Waldbrände bereits seit Jahren zu beobachten.“ In Afrika hänge dies mit dem Bevölkerungswachstum, intensiverer Landnutzung und zunehmender Zerschneidung der Landschaft zusammen. Straßen, Siedlungen und landwirtschaftlich genutzte Flächen begrenzen die Ausbreitung von Bränden. Auch eine veränderte Vegetationszusammensetzung, etwa durch mehr Büsche, spiele eine Rolle. „All diese Faktoren führen dazu, dass es insgesamt zu weniger und kleineren Bränden kommt“, sagt Forkel.
Kritik am Zeitpunkt der Veröffentlichung
Forkel kritisiert jedoch, dass das CAMS-Team zur Jahresmitte mit den Zahlen an die Öffentlichkeit geht: „Aus fachlicher Sicht ist wenig nachvollziehbar, warum eine Mitteilung veröffentlicht wird, die potenziell missverständlich sein könnte.“ Je nach Entwicklung von Hitze und Trockenheit auf der Nordhalbkugel könnten im Sommer noch große Waldbrände in den Nadelwäldern Kanadas, Nordeuropas oder Sibiriens auftreten und erhebliche Emissionen freisetzen. Auch in der Amazonasregion Südamerikas seien die größten Feuerausbrüche erst im August und September zu erwarten. „Der endgültige Zustand der Waldbrände wird daher erst im Rückblick am Jahresende beurteilt“, sagt Forkel.
Darüber hinaus hält Forkel es für nötig, die Ergebnisse zu Vegetationsbränden zu überprüfen: „Die Emissionen aus Waldbränden werden häufig unterschätzt.“ So ließen etwa Messungen von Kohlenmonoxid, das ebenfalls bei Bränden freigesetzt wird, auf größere Emissionen schließen.
Ausblick: El Niño könnte zweite Jahreshälfte prägen
2026 dürfte unterm Strich kein besonders glimpfliches Feuerjahr werden, da das Wetterphänomen El Niño einsetzt. In der westlichen Amazonas-Region kann dies zu Trockenheit führen. „Das bedeutet, dass aus dieser Region dieses Jahr möglicherweise noch größere Brände zu erwarten sind“, sagt Forkel. Auch in anderen Regionen der Erde, wie Nord-Australien und Südostasien, verstärkten El-Niño-Phasen üblicherweise die Waldbrandaktivitäten. Forkel warnt: „Das Blatt kann sich also im zweiten Halbjahr noch komplett wenden.“



