Die Zahl der akuten Atemwegserkrankungen in Deutschland ist laut dem aktuellen Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) weiter deutlich gestiegen. In der Woche vom 17. bis 23. November schätzt das RKI bundesweit rund sieben Millionen Neuerkrankungen – über eine Million mehr als in der Vorwoche. Das Niveau liege für diese Jahreszeit hoch, auch wenn ein Anstieg grundsätzlich zu erwarten sei.
Dominierend sind Rhino- und Coronaviren, doch auch eine neue Grippe-Variante taucht vermehrt auf. Die Zahl der Arztbesuche wegen akuter Atemwegserkrankungen lag bei 1326 pro 100.000 Einwohner, ähnlich wie in der Vorwoche. Am häufigsten suchten Menschen in Mecklenburg-Vorpommern Praxen auf, am seltensten in Bremen.
Die Grippesaison beginnt in diesem Jahr ungewöhnlich früh, wie Experten anmerken. In England steigen die Fälle seit Anfang November schneller als in den Vorjahren. Auch in Liechtenstein, Norwegen und Island begann die Saison früher. In Australien wird bereits von der „schlimmsten Grippesaison seit Beginn der Aufzeichnungen“ gesprochen.
Ursache ist eine neue Untervariante der Influenza-A-Linie H3N2, die als „K“ bezeichnet wird. Sie weist Mutationen am Oberflächenprotein auf, die das Virus ansteckender machen und bestehenden Immunschutz umgehen könnten. Experten gehen jedoch nicht davon aus, dass die Variante schwerere Krankheitsverläufe verursacht.
Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC empfiehlt aufgrund der frühen Verbreitung eine unverzügliche Grippeimpfung. Laut Edoardo Colzani, Leiter der Abteilung für Atemwegsviren beim ECDC, drängt die Zeit: Wer für eine Impfung in Frage komme, solle nicht warten. Die Impfung sei eine der wirksamsten Maßnahmen, um sich und andere vor schweren Erkrankungen zu schützen.
Trotz der neuen Mutationen wird der saisonale Impfstoff als wirksam angesehen. Die Symptome einer Grippe sind oft stärker als bei einer Erkältung: plötzlicher Beginn mit Fieber und Gliederschmerzen, seltener Schnupfen. Bei älteren Menschen tritt häufig kein Fieber auf. Die Beschwerden bessern sich meist nach fünf bis sieben Tagen, der Husten kann zwei bis drei Wochen anhalten.



