Eierstöcke nach Menopause: Forscher entdecken überraschende neue Rolle
Eierstöcke nach Menopause: überraschende neue Rolle

Lange galten Eierstöcke nach der Menopause als biologisch inaktiv. Eine neue Studie der Northwestern University Feinberg School of Medicine in Chicago stellt diese Annahme nun infrage. Demnach könnten die Eierstöcke nach der fruchtbaren Lebensphase eine bislang unterschätzte Funktion übernehmen – als Immunorgane, die über Entzündungsprozesse die Gesundheit im Alter mitprägen.

Neue Erkenntnisse zur Funktion der Eierstöcke nach der Menopause

Die Menopause bezeichnet die letzte natürliche Regelblutung. Mit ihr endet die reproduktive Aufgabe der Eierstöcke: Der Vorrat an Eizellen ist nahezu erschöpft, die Produktion der Sexualhormone Östrogen und Progesteron geht deutlich zurück. Jahrzehntelang galt das Organ danach als weitgehend inaktiv. Ein Team um Aubrey Converse und die Reproduktionsbiologin Francesca E. Duncan veröffentlichte nun im Fachjournal „Molecular Human Reproduction“ eine Studie, die dieses Bild verändert.

Die Forschenden untersuchten Eierstockgewebe von 28 gesunden Frauen im Alter zwischen 50 und 75 Jahren. Dabei zeigte sich, dass sich die Zusammensetzung der Proteine im Eierstock auch Jahrzehnte nach der Menopause weiter verändert. Bei jüngeren Frauen fanden sie häufiger Eiweiße, die mit Zellstruktur und Gensteuerung zusammenhängen, bei älteren Teilnehmerinnen dagegen vermehrt Proteine, die an Entzündungen, Immunabwehr und dem Umbau von Gewebe beteiligt sind.

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Mausmodell bestätigt immunologische Veränderungen

Anknüpfend an diese Beobachtungen führte das Team Experimente an Mäusen durch. Es verglich die Eierstöcke junger, älterer und postreproduktiver Tiere – letztere entsprechen in etwa der Phase nach der menschlichen Menopause. Mittels RNA-Sequenzierung analysierten die Forschenden die Genaktivität und identifizierten Immunzellen in den Eierstöcken.

Die Ergebnisse: Mit zunehmendem Alter nahm die Aktivität von Genen für Eizellreifung und Hormonproduktion ab – erwartungsgemäß. Parallel dazu fanden sich jedoch deutlich mehr Immunzellen wie T-Zellen und Makrophagen (Fresszellen) sowie mehrkernige Riesenzellen, die auf anhaltende Entzündungs- oder Umbauprozesse hindeuten. Zudem waren vermehrt Gene aktiv, die entzündungsfördernde Botenstoffe produzieren. Das Forschungsteam schließt daraus, dass sich im Organ eine chronische, unterschwellige Entzündung entwickeln könnte.

Mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit im Alter

Die Veränderungen könnten über das Eierstockgewebe hinauswirken. Das Team identifizierte zahlreiche Gene, deren Produkte vermutlich aus dem Organ freigesetzt werden und andere Körperbereiche beeinflussen – viele davon stehen mit Immunreaktionen und Entzündungen in Verbindung. „Diese Ergebnisse stellen die Annahme infrage, dass der postreproduktive Eierstock inert sei“, schreiben die Autoren. Vielmehr deute alles auf eine neue immunologische Funktion hin.

Francesca E. Duncan zog gegenüber dem Wissenschaftsmagazin „Science“ eine weiter reichende Schlussfolgerung: Die Ergebnisse könnten erklären, warum Frauen zwar im Durchschnitt länger leben als Männer, im höheren Alter jedoch häufiger mit chronischen Erkrankungen leben. Eine mögliche Ursache sei eine dauerhafte, unterschwellige Entzündung, die nach der Menopause teilweise von den Eierstöcken ausgehen könnte. Bewiesen ist diese Vermutung bislang nicht, da die entscheidenden Experimente an Mäusen durchgeführt wurden. Ob vergleichbare Prozesse im menschlichen Körper stattfinden, müssen weitere Studien zeigen.

Duncan bezeichnete es als „ein bisschen beängstigend“, dass die Biologie der Eierstöcke nach der Menopause bislang so wenig erforscht sei. Man sei es der Gesundheit von Frauen schuldig, diesen Lebensabschnitt genauer zu untersuchen, sagte sie.

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