Manfred Manglitz, der erste Torwart, der in der Fußball-Bundesliga ein Tor erzielte, ist tot. Wie sein langjähriger Verein MSV Duisburg mitteilte, starb der ehemalige Nationaltorhüter am Montag nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 86 Jahren.
Pionier und Bundesliga-Rekord
Manglitz schrieb Geschichte, als er am 10. Juni 1967 per Elfmeter für den MSV Duisburg gegen Borussia Mönchengladbach traf – es war das erste Tor eines Keepers in der Bundesligageschichte. „Zehn Minuten vor dem Ende bekamen wir dann einen Elfmeter, und das ganze Volk schrie ‚Cassius‘, weil es an diesem Tag eh nicht viel zu lachen hatte. Also bin ich Verrückter hin und habe den Elfer versenkt“, erinnerte sich Manglitz anlässlich seines 70. Geburtstags im Interview mit „11Freunde“. Mit Duisburg wurde er 1964 Vizemeister.
Nationalmannschaft und WM-Teilnahme
Zwischen 1965 und 1970 war Manglitz für die deutsche Nationalmannschaft aktiv und absolvierte vier Länderspiele. Er nahm an der WM 1970 in Mexiko teil, blieb jedoch ohne Einsatz. Seine offene Art, die er selbst als „immer ehrlich“ beschrieb, sei nicht bei allen gut angekommen: „Helmut Schön, der damalige Bundestrainer, war ein Sachse und ich ein waschechter Kölner – das konnte nicht gut gehen“, sagte Manglitz gegenüber „11Freunde“.
Bundesliga-Skandal und Karriereende
Seine Karriere erlitt einen tiefen Einschnitt, als er 1971 als Torwart des 1. FC Köln in den Bundesliga-Skandal verwickelt wurde. Wegen Spielmanipulationen wurde Manglitz lebenslang gesperrt, später aber 1974 begnadigt. In die Bundesliga, wo er insgesamt 257 Spiele für den MSV Duisburg und den 1. FC Köln bestritt, kehrte er jedoch nie zurück. Der Skandal erschütterte die Liga und führte zu weitreichenden Reformen.
Nachruf und Vermächtnis
Der MSV Duisburg würdigte Manglitz als „eine der prägendsten Persönlichkeiten der Vereinsgeschichte“. Auch der 1. FC Köln zollte Respekt: „Manfred Manglitz war ein außergewöhnlicher Torwart und Mensch. Seine Leistungen und sein Charakter bleiben unvergessen.“ Manglitz, der wegen seiner forschen Art den Spitznamen „Cassius“ (nach Muhammad Ali) trug, hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.



