ePA als zentraler Zugang: Geplante Reform stößt auf Kritik
Die elektronische Patientenakte (ePA) soll nach dem Willen der Bundesregierung künftig zum zentralen Zugang in die medizinische Versorgung werden. Eine entsprechende Reform des Gesetzes für digitale Gesundheit (GeDIG) sorgt jedoch für heftige Debatten. Ärzteverbände und Datenschützer warnen vor einem grundlegenden „Systemwechsel“, der die informationelle Selbstbestimmung der Patienten gefährden könnte.
Widerstand aus der Ärzteschaft
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) äußerte deutliche Bedenken. „Die Pläne laufen auf eine faktische Opt-out-Lösung hinaus, bei der die Daten aller Versicherten automatisch in der ePA landen, wenn sie nicht aktiv widersprechen“, erklärte ein Sprecher. Dies untergrabe das Prinzip der Freiwilligkeit. Zudem befürchten Mediziner einen erhöhten bürokratischen Aufwand, da sie künftig verpflichtet werden sollen, Daten in die Akte einzupflegen.
Datenschützer sehen Grundrechte in Gefahr
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber warnte eindringlich vor den Risiken. „Ein zentraler Datenpool mit sensiblen Gesundheitsdaten ist ein lukratives Ziel für Hacker und birgt ein enormes Missbrauchspotenzial“, sagte Kelber. Er forderte eine Stärkung der Verschlüsselung und strikte Zugriffsbeschränkungen. Nach einer aktuellen Umfrage des Digitalverbands Bitkom lehnen 58 Prozent der Bundesbürger eine automatische Befüllung der ePA ohne ihre ausdrückliche Zustimmung ab.
Geplante Änderungen im Detail
Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass die ePA künftig nicht mehr nur eine optionale Sammlung von Arztbriefen und Befunden ist, sondern als zentrale Plattform für alle digitalen Gesundheitsanwendungen dient. Dazu gehören unter anderem das elektronische Rezept, der Medikationsplan und der Notfalldatensatz. Die Patienten sollen zwar weiterhin ein Widerspruchsrecht haben, Kritiker bemängeln jedoch, dass dieses in der Praxis kaum bekannt gemacht werde.
Politik verteidigt Reform
Das Bundesgesundheitsministerium hingegen betont die Vorteile: „Die ePA wird die Behandlung sicherer und effizienter machen, Doppeluntersuchungen vermeiden und im Notfall Leben retten“, so eine Sprecherin. Die Reform sei alternativlos, um das deutsche Gesundheitssystem zukunftsfähig zu machen. Der Gesetzentwurf soll noch in diesem Jahr verabschiedet werden.



