Fusion-Arzt warnt vor hochreinem Kokain
Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist Gernot Rücker leitender Arzt des Fusion-Festivals. Der Mediziner, der selbst keinen Alkohol trinkt, kennt die Wirkstoffe jeder Pille. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel berichtet er von den größten Gefahren durch Drogen auf Festivals. „Letztes Jahr hatten wir viel hochreines Kokain“, sagt Rücker. Die Reinheit der Substanzen habe in den letzten Jahren deutlich zugenommen, was das Risiko für Überdosierungen erhöhe.
Häufige medizinische Notfälle
Die meisten Patienten kommen laut Rücker jedoch nicht wegen Drogen, sondern mit alltäglichen Beschwerden: Blinddarmentzündungen, Gallenprobleme, Nierenschmerzen, Menstruationsbeschwerden, Schnittwunden, Zeckenbisse oder Bauchschmerzen. „Es gibt nichts, wo man sagen würde: Das ist jetzt festivalspezifisch“, erklärt er. Dennoch gebe es immer wieder Drogennotfälle: „Natürlich gibt es auch im Drogenkontext Patienten, die zum Beispiel Kokain überdosiert haben und ins Krankenhaus müssen, weil die Herzwerte schlecht sind. Das passiert durchaus.“
Veränderter Drogenkonsum im Laufe der Jahre
Rücker beobachtet einen Wandel im Konsumverhalten. Während früher vor allem Ecstasy und Amphetamine verbreitet waren, seien heute vermehrt Kokain und synthetische Substanzen im Umlauf. Die Reinheit der Drogen sei gestiegen, was die Gefahr von Überdosierungen erhöhe. „Die Leute wissen oft nicht, was sie wirklich konsumieren“, warnt der Arzt. Er appelliert an Festivalbesucher, sich über die Inhaltsstoffe zu informieren und im Zweifel die Drogen testen zu lassen. Die medizinische Versorgung auf dem Fusion-Festival sei darauf ausgelegt, schnell und kompetent zu helfen. Rücker betont die Wichtigkeit von Prävention und Aufklärung, um schwere Zwischenfälle zu vermeiden.



