Schließung Geburtshilfe St. Josefs: Schwangerschaftsberatung schlägt Alarm
Geburtshilfe-Aus: Schwangerschaftsberatung schlägt Alarm

Die Schließung der Geburtshilfe im St. Josef-Krankenhaus in Potsdam hat scharfe Kritik des Arbeitskreises der Schwangerschaftsberatung ausgelöst. Die Beratungsstellen pro familia Potsdam, donum vitae und Caritas warnen vor weitreichenden sozialen Folgen für Schwangere und Familien. Der Arbeitskreis betreute nach eigenen Angaben im Jahr 2025 über 800 Schwangere.

Kurzfristige Entscheidung ohne Vorbereitung

Die Beratungsstellen kritisieren vor allem die Kurzfristigkeit der Entscheidung. Der Träger des katholischen Krankenhauses, die Alexianer, hatte Anfang Juli beschlossen, die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe zum Monatsende zu schließen. Aufgrund von Personalengpässen musste die Geburtshilfe bereits wenige Tage nach der Ankündigung geschlossen werden. „650 Geburten im Jahr lassen sich nicht ohne Nachteile für die Schwangeren sofort in ein anderes Krankenhaus verlegen“, heißt es in der Mitteilung des Arbeitskreises.

Folgen für Schwangere und Familien

Rund 650 Geburten fanden zuletzt jährlich in der Station statt. Diese müssen nun auf andere Einrichtungen verteilt werden. Das Vertrauen in eine stabile Gesundheitsversorgung werde dadurch erschüttert: Geburten seien dort geplant worden, zu Hebammen bestünden langjährige Beziehungen, und Arbeitsplätze – überwiegend von Frauen – fielen weg, schildern die Beratungsstellen.

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Verlust an Wahlmöglichkeiten und speziellen Angeboten

Die Geburtshilfe im St. Josef habe sich durch eine persönliche Atmosphäre, individuelle Betreuung und die Möglichkeit einer selbstbestimmten Geburt ausgezeichnet. Auch sprachliche Angebote wie englisch- und arabischsprachige Infoabende seien dort vorgehalten worden. Der Arbeitskreis befürchtet als Folge der Schließung überfüllte Kreißsäle, eine höhere Komplikationsrate sowie eine verstärkte Abwanderung von Schwangeren in Berliner Kliniken oder hin zu Hausgeburten. Auch eine zunehmende Anonymität in der Geburtshilfe und kürzere Verweildauern auf den Stationen werden als mögliche Konsequenzen genannt.

Reaktion des Ernst-von-Bergmann-Klinikums

Die Pläne des Ernst-von-Bergmann-Klinikums, die entstehende Lücke so bald wie möglich zu schließen, erkennt der Arbeitskreis zwar an – eine Verschlechterung der Versorgungssituation sei aber dennoch zu befürchten. Gleichzeitig mahnen die Beratungsstellen mehr Bürgerbeteiligung bei solchen Entscheidungen an.

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