Sport ist Mord, stöhnt mancher Sofasitzer beim Gedanken an schweißtreibende Aktivitäten. Doch nach dem Training stellt sich oft ein gutes Gefühl ein, obwohl man eigentlich fertig ist. Das hat mentale und körperliche Gründe, erklärt Jens Kleinert, Leiter des Psychologischen Instituts an der Deutschen Sporthochschule Köln.
Das Hochgefühl nach dem Sport: Kontrolle und Kompetenz
„Zunächst kann schon der Gedanke, selbst etwas geschafft zu haben, für ein gutes Gefühl sorgen“, sagt Kleinert. Dem Körper etwas Gutes getan und vielleicht die eigene Leistung verbessert zu haben – oder einfach nur eine Runde gelaufen zu sein statt auf dem Sofa zu sitzen – „diese Gedanken befriedigen das Bedürfnis nach Kontrolle und Kompetenz“. So entsteht ein erstes Wohlgefühl, das über die reine körperliche Erschöpfung hinausgeht.
Doch auch das Körpergefühl selbst spielt eine Rolle: Erschöpfung müsse kein negatives Gefühl sein. „Viele Leute genießen es sogar, komplett ausgepowert zu sein“, betont der Experte. Wenn ein 400-Meter-Läufer nach dem Rennen völlig außer Atem und voller Laktat auf dem Boden liege und an nichts mehr denke, „dann kann das ein sehr entspannender, entlastender Zustand mit einer fast meditativen Komponente sein. In einem solchen Moment bin ich ganz bei mir.“
Ein Hormoncocktail aus Endorphin, Adrenalin und Serotonin
Begleitet werde dieser Bewusstseinszustand von der Wirkung eines ganzen Hormoncocktails im Körper, unter anderem aus Endorphin, Adrenalin und Serotonin. Allerdings sei bisher nicht genau geklärt, welche Rolle die einzelnen Hormone dabei spielen. Zusätzlich könne körperliche Erschöpfung ein Vitalitätsgefühl erzeugen – eine Empfindung von Lebendigkeit, die eventuell durch leichte Schmerzen wie Muskelkater sogar noch gesteigert werde.
Bei starker Überlastung könnten diese positiven Effekte jedoch ins Gegenteil umkippen. „Wenn mir übel ist und ich starke Schmerzen habe, ist nichts mehr mit meditativem Wohlgefühl – das fühlt sich dann nur noch schlecht an“, warnt Kleinert. Die Anstrengung müsse im richtigen, auch medizinisch angemessenen Verhältnis zum körperlichen Zustand stehen.
Trainieren, Erschöpfung als angenehm wahrzunehmen
Dennoch sei es sinnvoll, immer mal wieder an die eigenen Grenzen zu gehen. „Man kann trainieren, Erschöpfung als etwas Angenehmes wahrzunehmen“, so der Sportpsychologe. Wer regelmäßig Sport treibe, lerne, die Signale des Körpers besser zu deuten und die Belastung richtig zu dosieren. So werde aus der anfänglichen Überwindung ein Flow-Erlebnis, das Körper und Geist gleichermaßen guttut.



