Eine aktuelle Studie der britischen UK Biobank mit fast 88.000 Erwachsenen deutet darauf hin, dass helles Tageslicht das Demenzrisiko deutlich senken kann. Die Teilnehmer waren im Schnitt 62 Jahre alt und wurden über durchschnittlich acht Jahre nachbeobachtet. Während dieser Zeit erkrankten 741 Personen an Demenz.
Studiendesign und Messmethode
Die Teilnehmer trugen eine Woche lang ein Armband, das rund um die Uhr Helligkeit und Aktivität erfasste. Die Forscher verglichen die Lichtmessungen mit späteren Demenzdiagnosen und berücksichtigten zahlreiche Einflussfaktoren wie Alter, Bewegung, Ernährung, Rauchen sowie bekannte Demenz-Risikofaktoren. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal veröffentlicht.
Zentrale Ergebnisse: Tageslicht und Risikoreduktion
Wer im Schnitt über den gesamten Tag mehr als 1000 Lux Tageslicht abbekam, hatte ein um 16 Prozent geringeres Demenzrisiko. 1000 Lux entsprechen einem bewölkten Tag im Freien. Bei höheren Lichtintensitäten reichten kürzere Expositionszeiten: Bei 3000 Lux genügten etwa 85 Minuten, bei 5000 Lux reichten 42 Minuten und bei 7000 Lux (heller Sonnentag) schon 27 Minuten für eine Risikoreduktion von 17 bis 18 Prozent. Für Licht in der Nacht fanden die Forscher dagegen keinen Zusammenhang.
Stärkerer Effekt bei Risikogruppen
Bei Menschen mit erhöhtem Demenzrisiko, etwa Trägern der genetischen Risikovariante ApoE4 (Apolipoprotein E4) oder ausgeprägten Abendtypen, war der Zusammenhang noch stärker. Je nach Analyse war das Demenzrisiko in diesen Gruppen um bis zu 41 Prozent niedriger. Die Forscher vermuten, dass Tageslicht die innere Uhr stabilisiert und dadurch Gehirnfunktionen beeinflusst, betonen aber, dass diese Vermutung nur am Rande geprüft wurde.
Stärken und Einschränkungen der Studie
Zu den Stärken zählen die große Teilnehmerzahl, die objektive Lichtmessung und die lange Nachbeobachtung. Einschränkungen sind unter anderem, dass die Teilnehmer im Durchschnitt gesünder als die Allgemeinbevölkerung waren und die Lichtmessung am Handgelenk statt direkt am Auge erfolgte. Die Beobachtungsstudie zeigt lediglich einen Zusammenhang, keine Kausalität. Nötig sind weitere Studien, die gezielt prüfen, ob mehr Tageslicht wirklich schützt.



