Die Notaufnahme des Krankenhauses Köln-Mehrheim erlebt einen beispiellosen Ausnahmezustand. Rettungswagen treffen im Minutentakt ein, Sanitäter werden aus ihrem freien Wochenende geholt und Hitzepatienten werden noch auf dem Klinikgelände abgeduscht. Das Thermometer zeigt knapp 40 Grad – und es soll noch heißer werden.
„So eine Situation haben wir noch nie erlebt“
„So eine Situation haben wir hier noch nie erlebt“, sagt Hannah Makait (39), die ärztliche Leiterin der Notaufnahme. „Wir haben alleine heute fünf Patienten reanimieren müssen. An einem gewöhnlichen Tag sind es maximal zwei. Bereits seit zehn Uhr morgens werden bei uns Patienten wegen der Hitze angeliefert.“ Schon am Freitag musste die Feuerwehr Köln kollabierte Mieter aus sieben Dachgeschosswohnungen in Krankenhäuser bringen. Wegen der Überhitzung bestand bei ihnen Lebensgefahr.
Bereits ab 30 Grad Außentemperatur verdoppelt sich das Sterblichkeitsrisiko für Senioren und Herzkranke. Ab 37 Grad kann der Körper die Wärme über die Haut kaum noch abgeben, bei Temperaturen darüber droht selbst im Schatten Überhitzung.
Überfüllte Stationen und dehydrierte Patienten
In der Notaufnahme hängen dehydrierte Patienten am Tropf, Betten stehen auf den Gängen, die Stationen sind längst überfüllt. Dabei sind es nicht nur die Alten und Kranken, die wegen der extremen Hitze in die Klinik gebracht werden. Auch ansonsten gesunde Männer wie der DHL-Fahrer Jürgen Vogel (58) müssen jetzt im Flur des Krankenhauses versorgt werden.
„Eigentlich kümmert sich mein Arbeitgeber super um uns“, sagt der Paketzusteller zu BILD. „Unsere Fahrzeuge haben eine Klimaanlage und wir bekommen Wasser. Aber bei dem ständigen Rein- und Rauslaufen in die Hitze hat mein Körper plötzlich nicht mehr mitgemacht. Ich bin einfach im Hausflur zusammengeklappt. So was habe ich noch nie erlebt.“
Doppelt so viele Mediziner im Dienst
Die extreme Hitze belastet auch die Sanitäter und Ärzte extrem. Um die Situation zu bewältigen, sprangen die Helfer vom Roten Kreuz, vom Arbeiter-Samariter-Bund und der Feuerwehr ein. Vor der Klinik wurde eine zusätzliche, provisorische Sanitätsstation aufgebaut. Hier werden die Patienten zuerst untersucht, um zu entscheiden, wie sie weiter versorgt werden sollen. Manche Helfer leisten seit Tagen Überstunden, statt 20 sind bis zu 40 Mediziner im Dienst. Viele haben auf ihr freies Wochenende verzichtet und schieben Sonderschichten.
„Treiben Sie jetzt keinen Sport“
Und auch in den nächsten Tagen ist keine Besserung in Sicht. Ärztin Hannah Makait warnt deshalb eindringlich: „Wir haben auch junge Patienten, die behandelt werden müssen. Viele überschätzen ihre Kräfte und treiben bei dieser Hitze Sport. Ich kann nur an alle appellieren, dies momentan nicht zu tun.“



