Hitzefrei an Schulen: Regelungen der Bundesländer im Überblick
Hitzefrei an Schulen: Bundesländer-Regeln im Überblick

Die vorletzte Juni-Woche bringt eine Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 37 Grad nach Deutschland. Für Schülerinnen und Schüler steigt damit die Hoffnung auf hitzefrei – also auf verkürzten oder ausfallenden Unterricht. Doch anders als viele glauben, gibt es in Deutschland keinen gesetzlichen Anspruch darauf. Ob und wann hitzefrei gewährt wird, entscheiden die Bundesländer – oft sogar die Schulen selbst. Ein Überblick über die wichtigsten Regelungen.

Kein gesetzlicher Anspruch auf hitzefrei

Nach Angaben des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation geht die Idee des hitzefrei auf einen Erlass des preußischen Kultusministers aus dem Jahr 1892 zurück. Damals hieß es: Zeige das Thermometer um 10 Uhr vormittags im Schatten 25 Grad, dürfe der Schulunterricht nicht über vier aufeinanderfolgende Stunden ausgedehnt werden. Heute ist Bildungspolitik jedoch Ländersache, und jedes Bundesland hat eigene Regelungen erlassen. Die Kultusministerkonferenz erhebt keine Statistiken darüber, wie oft hitzefrei gegeben wird. Allerdings steht der spontane Unterrichtsausfall oft im Widerspruch zu den Modellen der Halbtags- und Ganztagsbetreuung.

Regelungen der Bundesländer im Detail

In Nordrhein-Westfalen ist hitzefrei an eine Raumtemperatur von mehr als 27 Grad Celsius geknüpft. Bei weniger als 25 Grad ist hitzefrei nicht zulässig. Das Kultusministerium in Bayern betont, dass die Entscheidung in der Verantwortung der Schulleitungen liegt. Allerdings darf die Beförderung der Schüler nach Hause durch ein früheres Unterrichtsende nicht gefährdet sein. Zudem muss hitzefrei mit den Eltern abgestimmt werden. In Hamburg weist die Schulbehörde darauf hin, dass bei Schülerinnen und Schülern unter 14 Jahren eine Notfallbetreuung angeboten wird. In Berlin ist hitzefrei nicht an eine bestimmte Temperatur gebunden, sondern an die Witterungsverhältnisse. Bei großer Hitze können Schulen verkürzte Unterrichtsstunden beschließen – dies gilt jedoch nicht für die Oberstufe, die Ausbildung oder den zweiten Bildungsweg.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Forderungen der Elternverbände

Der Bayerische Elternverband wünscht sich eine gesetzliche Regelung, die Schulleitungen Rechtssicherheit gibt. Der Landesvorsitzende Martin Löwe betonte: „Eine starre Vorgabe, wann es hitzefrei geben solle, lehnen wir ab.“ Eine solche Regelung würde Schulleitungen ermuntern, öfter im Sinne der Kinder zu entscheiden. Der Verband lehnt jedoch eine pauschale Temperaturgrenze ab.

Hitzefrei und Betreuungsmodelle

Die uneinheitliche Regelung führt zu Diskussionen: Während einige Bundesländer auf Eigenverantwortung der Schulen setzen, fordern andere klare Vorgaben. Die Kultusministerkonferenz betont, dass hitzefrei nicht im Widerspruch zu Ganztagsangeboten stehen darf. In der Praxis entscheiden oft die Schulleitungen gemeinsam mit den Eltern, ob der Unterricht verkürzt wird. Experten raten, bei extremer Hitze auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr und leichte Kleidung zu achten.

Hitzewelle in Deutschland: Was bedeutet das für den Körper?

Hitze kann zu gesundheitlichen Problemen wie Hitzeerschöpfung, Hitzschlag, Dehydration und Sonnenbrand führen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Säuglinge, Kleinkinder, chronisch Kranke, Schwangere und Personen, die bestimmte Medikamente einnehmen. Zu den Anzeichen von Hitzeerschöpfung gehören Müdigkeit, Schwäche, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und kalte, feuchte Haut. Ein Hitzschlag äußert sich durch hohe Körpertemperatur, gerötete Haut, schnellen Herzschlag, Verwirrtheit und möglicherweise Bewusstlosigkeit. In solchen Fällen ist sofort medizinische Hilfe erforderlich.

Tipps zum Schutz vor der Hitze

Um sich vor den Auswirkungen der Hitze zu schützen, empfehlen Experten: leichte und luftdurchlässige Kleidung tragen, direkte Sonneneinstrahlung meiden, ausreichend Wasser trinken, kühle Orte aufsuchen und anstrengende körperliche Aktivitäten vermeiden. Auch in den Schulen sollten diese Maßnahmen beachtet werden, um das Wohlbefinden der Schüler zu gewährleisten.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration