Berlin schwitzt bei einer extremen Hitzewelle, die am Wochenende neue Temperaturrekorde aufgestellt hat. Das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) verzeichnet ein deutlich erhöhtes Patientenaufkommen, während die Berliner Sommerbäder den Ticketverkauf eingestellt haben. Die Feuerwehr befindet sich im Dauereinsatz. Alle wichtigen Entwicklungen im Überblick.
Rekordhitze und ihre Folgen
Am Samstag wurde in Berlin-Tempelhof mit 39,9 Grad Celsius ein neuer Temperaturrekord gemessen, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. Der bisherige Rekord lag bei 38,9 Grad aus dem Jahr 2015. In Brandenburg wurden sogar 40,8 Grad in Baruth gemessen. Die extreme Hitze führte zu zahlreichen Ausfällen und Notfällen.
Die Berliner Feuerwehr zählte am Samstag 2055 Einsätze – rund 500 mehr als an einem durchschnittlichen Tag. Der Schwerpunkt lag auf der Notfallrettung. „Wir rechnen auch am Sonntag mit einem Großkampftag“, sagte ein Feuerwehrsprecher dem Tagesspiegel. Besonders viele Einsätze gab es wegen Kreislaufproblemen und Kollapsen. Zudem wurden mehr als 120 Brände registriert – etwa doppelt so viele wie üblich.
UKB: Deutlich mehr Patienten mit Hitzeschäden
Das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) verzeichnete am Hitzewochenende eine deutliche Häufung von Patienten. „Wir haben viele Menschen mit Hitzeerscheinungen wie Schwindel und Kopfschmerzen, aber auch zahlreiche Senioren aus Pflegeheimen mit einer Exsikkose“, sagte eine Sprecherin des BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin. Eine Exsikkose ist die Austrocknung des Körpers durch extremen Flüssigkeitsmangel. „Bei den Betroffenen kam es dabei zum Nierenversagen“, erklärte die Sprecherin.
Das UKB ist auf Massenanfälle vorbereitet, sodass ausreichend Kapazitäten vorhanden sind. Allerdings müssen Patienten am Sonntag mit längeren Wartezeiten rechnen. Die Sprecherin rief dazu auf, „ausreichend zu trinken, bestenfalls zu Hause zu bleiben und aufmerksam mit geschwächten Menschen umzugehen“. Bei leichten Symptomen könne der kassenärztliche Notdienst unter der 116 oder 118 kontaktiert werden.
Freibäder und Sommerbäder geschlossen
Bereits am Samstag waren die Berliner Sommerbäder komplett voll. Am Sonntag wurde der Ticketverkauf für die Sommerbäder gestoppt. Laut der Webseite der Berliner Bäder werden nur noch Menschen eingelassen, die bereits ein Zeitfenster-Ticket gebucht haben oder ein Abo besitzen. Lediglich das Kinderbad Monbijou hatte am Vormittag noch wenige Tickets. Vor dem Sommerbad Mariendorf stand die Polizei mit mehreren Einsatzfahrzeugen und verkündete per Megafon, dass nur noch Personen mit Tickets eingelassen werden. „Vor beiden Bädern waren jeweils bis zu 400 Menschen vor Ort“, sagte ein Polizeisprecher dem Tagesspiegel.
Wasserwerfer der Polizei und kühle Orte
Die Berliner Polizei setzte am Samstag Wasserwerfer zur Abkühlung ein. Zwei Fahrzeuge erzeugten Sprühregen am Brandenburger Tor und am Potsdamer Platz. „Zweimal 9000 Liter Wasser haben wir schon verbraucht“, sagte ein Polizeisprecher. Die Aktion sollte auch am Sonntag fortgesetzt werden.
Die Website „kühle-orte.berlin“ zeigt zahlreiche Orte mit angenehm niedrigen Temperaturen. Allerdings haben die meisten kühlen Orte wie Kirchen und Bürgerzentren an Sonntagnachmittagen geschlossen. „Theoretisch gibt es viele Orte, praktisch sind die meisten sonntags nicht geöffnet“, kritisierte ein Nutzer.
Verbot des Brunnenbadens
Während das Baden in Brunnen in Basel erlaubt ist, ist es in Berlin grundsätzlich verboten. Mehrere Bezirksämter wiesen darauf hin, dass Zierbrunnen keine Schwimmbäder sind und das Wasser kein kontrolliertes Badewasser ist. „Baden ist nur auf besonders ausgewiesenen Flächen gestattet“, hieß es aus Charlottenburg-Wilmersdorf unter Verweis auf das Grünanlagengesetz. Wer sich dennoch abkühlt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, bleibt aber meist bei einer mündlichen Verwarnung.
Schulen ohne Klimaanlagen
Berlins Schulen kämpfen ebenfalls mit der Hitze. Wie eine Anfrage des Tagesspiegels bei der landeseigenen Baugesellschaft Howoge ergab, setzen Schulneubauten auf außenliegende Lamellenjalousien, Lüftungsanlagen und Nachtauskühlung – Klimaanlagen werden nicht eingebaut. Nachgerüstet werden könnte später, doch dafür wären die Bezirke zuständig. Besonders problematisch sind schlecht isolierte Interimsbauten und stark versiegelte Schulhöfe.
Veranstaltungen und Verkehr
Das Konzert von Bruno Mars am Sonntagabend im Olympiastadion lockerte die Regeln: Alkoholfreie Getränke in Tetrapaks oder Weichplastikflaschen durften mitgenommen werden. Handventilatoren und Fächer waren erlaubt. Das Motorbootrennen in Grünau fand trotz Hitze statt.
Im Verkehr kam es zu zahlreichen Ausfällen: 19 Ampeln fielen aus, und auf der Autobahn A2 in Brandenburg gab es Hitzeschäden. „Die A2 geht immer weiter kaputt“, sagte ein Polizeisprecher. Der betroffene Abschnitt bei Ziesar wurde gesperrt, der Verkehr über Landstraßen umgeleitet. Die Polizei empfahl, die A2 weiträumig zu umfahren und ausreichend Getränke und Medikamente mitzunehmen.
Badetote und Unwetter
Am Samstag wurden zwei leblose Männer aus Berliner Gewässern geborgen: Im Hafen Tempelhof und am Jungfernheideteich. Reanimationsversuche blieben erfolglos. Am U-Bahnhof Innsbrucker Platz erlitt ein Fahrgast einen Kreislaufstillstand, Ersthelfer begannen mit der Reanimation. Am Abend rückte die Feuerwehr zu 27 Unwettereinsätzen im Berliner Westen aus, unter anderem wegen umgestürzter Bäume in Spandau.
Die Hitzewelle soll am Sonntag mit Unwetterpotenzial enden: Es wird mit heftigem Starkregen und Hagel gerechnet. Die Berliner Feuerwehr bleibt in erhöhter Alarmbereitschaft.



