Das Jüdische Krankenhaus (JKB) in Berlin-Gesundbrunnen hat einen neuen Betreiber. Die Medicana Health Group, ein nach eigenen Angaben familiengeführtes Unternehmen mit knapp 20 Krankenhäusern in der Türkei und Südosteuropa, übernehme die Klinik, teilte das JKB mit. Im Dezember 2025 hatte das Krankenhaus Insolvenz angemeldet. Als Grund für den Schritt nannte die Klinik damals die angespannte Finanzlage.
Zusagen für Arbeitsplätze und medizinische Versorgung
Der neue Träger sichere alle Arbeitsplätze und die bisherige medizinische Versorgung am Standort in Berlin-Wedding in „unverändertem Umfang“, heißt es in der Mitteilung. Die Klinik werde somit durch die Übernahme langfristig gesichert, ebenso bleibe die jüdische Identität des Hauses gewahrt.
„Entscheidend waren für uns die medizinische Versorgungskompetenz und die wirtschaftliche Stabilität, aber auch die Bereitschaft, die besondere Geschichte und Identität unseres Hauses dauerhaft zu respektieren und fortzuführen“, sagte JKB-Vorstandsvorsitzende Brit Ismer.
Kritik von Verdi an Privatisierung
Die Gewerkschaft Verdi kritisierte die Übernahme durch einen privaten Träger. „Dass es jetzt zu dieser Privatisierung an einen privaten, gewinnorientierten Träger kommt, fällt auf die Berliner Politik zurück. Das Land hat durch die jahrzehntelange Verweigerung angemessener Investitionsmittel die Misere mitverursacht“, heißt es in einer Mitteilung. Zeitgleich stellt die Gewerkschaft infrage, ob Medicana die Zusage, alle Arbeitsplätze zu übernehmen, halten kann. Ein zentraler Kritikpunkt ist die fehlende Erfahrung des neuen Trägers in der deutschen Krankenhauslandschaft: „Ein starker, in diesem Gesundheitssystem gut aufgestellter Partner fehlt weiterhin.“
Versäumnisse des Landes Berlin
Zuletzt wurde immer wieder die Möglichkeit diskutiert, die Klinik in eines der landeseigenen Krankenhausunternehmen, wie die Charité oder Vivantes einzugliedern. Dass das nicht gelang, sei eine vom Land Berlin verursachte Misere, so Verdi in ihrer Stellungnahme. „Es ist seiner Verantwortung, als wesentlicher Träger der Stiftung Jüdisches Krankenhaus, rechtzeitig gegenzusteuern, nicht nachgekommen. Es hat es versäumt, das JKB, als noch Zeit war, in eine starke Partnerschaft mit einem der großen öffentlichen Krankenhausträger zu bringen.“



