In einem Interview mit BILD hat Boxweltmeister Wladimir Klitschko über den Tod seines Vaters durch die Spätfolgen der Tschernobyl-Katastrophe gesprochen. Sein Vater war 1986 als Offizier der Sowjetarmee einer der sogenannten Liquidatoren, die direkt am Reaktor Aufräumarbeiten durchführten. Er starb 2011 an Krebs.
Klitschko erinnerte sich, dass er damals zehn Jahre alt war und die Familie in Kiew lebte. Sein Vater habe die Familie gewarnt, nicht mehr draußen zu spielen und die Schuhe nicht mit ins Haus zu bringen. Die sowjetische Kultur des Schweigens habe ihn bis heute geprägt. Sein Vater sei oft tagelang oder wochenlang weg gewesen, und auf der Militärbasis habe es viel Flugverkehr und Menschen in Schutzanzügen gegeben.
Die ersten Kameraden seines Vaters starben bereits im ersten Jahr nach dem Einsatz. Bei seinem Vater wurde 2007 Krebs diagnostiziert. Klitschko ist überzeugt, dass sein Vater ohne den Einsatz in Tschernobyl heute noch leben könnte. Gleichzeitig empfinde er großen Stolz auf seinen Vater, der sich mit seinen Kameraden geopfert habe.
Klitschko äußerte sich wütend über die Vertuschung der Katastrophe durch die sowjetischen Medien. Die Propaganda habe das Leid der Menschen noch vergrößert. Auch der russische Angriffskrieg 2022, bei dem russische Truppen durch das verstrahlte Gebiet um Tschernobyl vorrückten, erschüttere ihn tief.
An junge Menschen gerichtet sagte Klitschko, Tschernobyl sei eine Warnung, aber kein Grund, Kernenergie nur mit Angst zu betrachten. Sie sei gefährlich bei Leichtsinn, aber zugleich eine wichtige Energie der Zukunft, um den Planeten zu schützen.



