Kunst gegen Demenz: „Gesundes Museum“-Projekt zeigt Erfolge
Kunst gegen Demenz: „Gesundes Museum“ zeigt Erfolge

Kunst als Therapie gegen das Vergessen

In Deutschland leben rund 1,84 Millionen Menschen mit Demenz. Doch wie kann man ihnen helfen und gleichzeitig älteren Menschen vorbeugend etwas Gutes tun? Ein vielversprechender Ansatz kommt aus der Kunst: Mehrere deutsche Museen bieten inzwischen spezielle Führungen für Demenzkranke an. Professor Christoph Kleinschnitz, Direktor der Neurologie an der Uniklinik Essen, erklärte gegenüber BILD: „Man darf davon zwar keine Wunderheilung erwarten. Aber Bilder von konkreten Landschaften und Ereignissen oder weltberühmte Kunstwerke können die Langzeit-Erinnerung beleben. Über diesen Zusammenhang gibt es bereits Studien.“

Das Pilotprojekt „Gesundes Museum“

Die Donau-Universität Krems in Österreich hat ein dreijähriges Pilotprojekt mit dem Namen „Gesundes Museum“ gestartet. Ziel ist es, den positiven Einfluss von Kunst auf die geistige Gesundheit wissenschaftlich zu belegen. An mehreren vierwöchigen Kursen nahmen 68 Personen ab 60 Jahren teil. Alle wurden vorher auf Demenz untersucht, keiner war vorerkrankt. Professorin Anja Grebe, Kunstwissenschaftlerin und Dürer-Expertin, die das Projekt mitverantwortet, sagte zu BILD: „Es geht uns um Prävention, damit die Menschen ihre Hirngesundheit erhalten.“

Slow Viewing und interaktive Methoden

Im Kunsthistorischen Museum Wien wurden spezielle Gemälde ausgewählt, die den Teilnehmern mit der Methode des „Slow Viewing“ (langsames Schauen) nähergebracht wurden. Besonders eindrucksvoll war die Betrachtung von Werken wie der „Bauernhochzeit“ von Pieter Bruegel dem Älteren (um 1525–1569). Grebe erläuterte: „Die Betrachter sollten sich an ihre eigene Hochzeit erinnern oder an große Feste. Und sie konnten sich eine Person auf dem Bild aussuchen, die sie pantomimisch darstellen.“

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Vor dem fröhlichen Gemälde „Der Bohnenkönig“ des flämischen Künstlers Jacob Jordaens (1593–1678) sang die Gruppe gemeinsam. Als Belohnung erhielten alle Teilnehmer eine Jahreskarte für das Museum, und viele kommen seitdem regelmäßig wieder. Ikonen wie das Selbstporträt von Albrecht Dürer (1471–1528), der „Mann mit dem Goldhelm“ aus der Rembrandt-Werkstatt oder „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ von Caspar David Friedrich (1774–1840) können das Gedächtnis ebenfalls wiederbeleben.

Prävention durch Gemeinschaft und Kunstgenuss

Laut einer Studie sind 45 Prozent aller Demenzerkrankungen vermeidbar. Dabei spielen das Gemeinschaftsgefühl und der Kunstgenuss eine zentrale Rolle. Professor Kleinschnitz betont, dass Bilder konkreter Landschaften und Ereignisse die Langzeiterinnerung aktivieren können. Das Projekt „Gesundes Museum“ zeigt, wie Kunst nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch zur Gesundheitsvorsorge beitragen kann. Die Kombination aus sozialer Interaktion und ästhetischem Erlebnis scheint besonders wirkungsvoll zu sein.

Fazit: Ein Besuch im Museum kann nicht nur das Gedächtnis anregen, sondern auch das Risiko für Demenz senken. Die Wissenschaft arbeitet daran, diese Effekte weiter zu erforschen und in die Praxis umzusetzen.

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