Brandenburgs Verkehrsminister fordert flexible Handhabung des Nachtflugverbots
Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach (SPD) hat sich für eine Lockerung des strikten Nachtflugverbots am Berliner Flughafen BER ausgesprochen. Konkret schlägt er vor, verspäteten Flugzeugen eine Landung auch nach Mitternacht zu ermöglichen, anstatt sie zu Ausweichflughäfen wie Hannover umzuleiten. „Es kann nicht sein, dass eine Maschine wegen weniger Minuten Verspätung nach Hannover ausweichen muss, während sie faktisch bereits über Berlin kreist“, sagte Crumbach dem Tagesspiegel.
Bisherige Regelung verursacht hohe Kosten und Frust
Derzeit gilt am BER ein striktes Nachtflugverbot von 0:00 bis 5:00 Uhr. Maschinen, die dieses Zeitfenster auch nur geringfügig überschreiten, müssen auf andere Flughäfen ausweichen. Laut Flughafenbetreiber kam es im vergangenen Jahr zu rund 200 Umleitungen, die überwiegend auf Verspätungen in den späten Abendstunden zurückzuführen waren. Dies verursacht nicht nur Mehrkosten für die Airlines, sondern auch erhebliche Unannehmlichkeiten für Passagiere, die oft stundenlang auf einen Bus- oder Zugtransfer warten müssen.
Crumbach plädiert für Einzelfallprüfung
Der Minister betonte, dass es ihm nicht um eine generelle Aufhebung des Nachtflugverbots gehe, sondern um eine flexiblere Handhabung in begründeten Einzelfällen. „Eine pauschale Regelung, die auch bei wenigen Minuten Verspätung keine Ausnahme zulässt, ist aus meiner Sicht nicht verhältnismäßig“, erklärte Crumbach. Er verwies darauf, dass andere Großflughäfen wie Frankfurt oder München ähnliche Ausnahmeregelungen bereits praktizieren. „Dort können verspätete Flüge unter bestimmten Auflagen auch nachts landen – das sollte am BER auch möglich sein.“
Reaktionen und Ausblick
Die Fluggesellschaften begrüßen den Vorstoß. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) erklärte, dass Ausnahmen vom Nachtflugverbot die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Berlin stärken könnten. Umweltschutzverbände hingegen äußerten Bedenken. Der BUND kritisierte, dass jede Lockerung des Nachtflugverbots die Lärmbelastung für Anwohner erhöhe. „Der BER ist bereits jetzt eine massive Belastung für die Region. Ausnahmen wären ein falsches Signal“, so ein Sprecher. Eine Entscheidung über eine mögliche Änderung der Fluglärmverordnung liegt nun beim Brandenburger Verkehrsministerium, das zunächst eine Prüfung der rechtlichen Rahmenbedingungen angekündigt hat.



