Viele Menschen fragen sich bei sommerlichen Temperaturen, ob es gesünder ist, nackt zu schlafen. Der Schlafforscher und Psychologe Dr. Hans Günter Weeß gibt Antworten und verrät wichtige Tipps.
Vorteile des Nacktschlafens bei Hitze
Laut Weeß hat das Schlafen ohne Kleidung durchaus Vorteile: „Wenn wir nackt schlafen, schwitzen wir weniger in Hautfalten und im Genitalbereich. Dadurch kann man Hauterkrankungen infolge von Bakterien und Pilzbefall vorbeugen.“ Der Körper kann die Feuchtigkeit ungehindert abgeben, was die Temperaturregulierung unterstützt. Allerdings wird der Schweiß dann von Bettbezug, Matratze und Kissen aufgenommen, was zu einer Ansammlung von Pilzen und Bakterien führen kann. Das bedeute aber nicht, dass Nacktschlafen grundsätzlich unhygienischer ist als Schlafen im Pyjama.
Hygiene-Tipps für Nacktschläfer
Entscheidend sei die regelmäßige Reinigung der Bettwäsche. „Wenn man nackt schläft, sollte man zweimal die Woche die Laken und die Bettwäsche waschen. Wenn man mit Klamotten schläft, reicht es in den Sommermonaten einmal die Woche“, sagt Weeß. Im Winter könne das Bettzeug länger genutzt werden. Besonders Allergiker sollten auf eine gute Betthygiene achten, um Hausstaubmilben zu vermeiden. Vor dem Schlafengehen empfiehlt es sich, zu duschen, um den Schmutz des Tages nicht mit ins Bett zu nehmen. Der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel rät, Kopfkissen und Bettdecke spätestens alle zwei Wochen neu zu beziehen.
Erkältungsgefahr durch Nacktschlafen?
Weeß warnt jedoch vor Zugluft: „Man muss immer darauf achten, dass man sich im Schlaf nicht der Zugluft aussetzt. Bei einer niedrigen Raumtemperatur in den kalten Jahreszeiten besteht die Gefahr, dass man sich im Schlaf von seiner Decke unbewusst freistrampelt und friert.“ Das könne eine Erkältung nach sich ziehen, besonders in der REM-Phase, in der der Körper die Kerntemperatur nicht kontrollieren kann. Bei Hitze empfiehlt der Experte, sich nur mit einem Baumwoll- oder Leinenlaken zuzudecken.
Beziehungsvorteile durch Nacktschlafen
Paare könnten vom Nacktschlafen profitieren, so Weeß: „Wer nackt schläft, hat womöglich häufiger Sex miteinander. Das wiederum entspannt und hat einen schlaffördernden Effekt.“ Hautkontakt schütte das Bindungshormon Oxytocin aus, das das Stresshormon Cortisol hemmt. „Ein erhöhter Cortisolspiegel greift das Immunsystem an. Durch Hautkontakt kann man also das Immunsystem positiv beeinflussen.“ Oxytocin stärke zudem die Beziehung und wirke sich positiv auf die Psyche aus.
Fazit: Erlaubt ist, was gefällt
Eine generell bessere Schlafqualität bringe das Nacktschlafen aber nicht zwangsläufig. Weeß' Credo: „Wenn man so schläft, wie man sich wohlfühlt – egal ob im Pyjama oder nackt –, dann bin ich am entspanntesten. Und die Entspannung ist die Autobahn in den Schlaf.“ Laut einer GfK-Umfrage halten sich 41 Prozent der Deutschen an die Empfehlung, die Bettwäsche alle zwei Wochen zu wechseln, während 33 Prozent dies nur monatlich tun. Dieser Artikel wurde erstmals im August 2023 veröffentlicht.



