Osteopathie-Allianz fordert Neubewertung des IGeL-Monitors zu Kreuzschmerzen
Osteopathie-Allianz: IGeL-Monitor methodisch mangelhaft

Die Osteopathie-Allianz, bestehend aus dem Verband der Osteopathen Deutschland (VOD) und dem Bundesverband Osteopathie (BVO), fordert die zügige Umsetzung des im Koalitionsvertrag 2025 verankerten Auftrags zur berufsgesetzlichen Regelung der Osteopathie. Dieser Auftrag diene der Patientensicherheit und dem Verbraucherschutz und sei unabhängig von der aktuellen Evidenzlage für einzelne Indikationen. Ein Berufsgesetz schaffe erst die Standardisierung der Ausbildung, die institutionelle Grundlage und die Forschungsinfrastruktur, ohne die belastbare klinische Evidenz nicht entstehen könne.

Methodische Kritik am IGeL-Monitor

Die Osteopathie-Allianz fordert eine methodisch fundierte Neubewertung der aktuellen Einschätzung des IGeL-Monitors zur Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen. Nach Auffassung beider Verbände lässt die derzeitige Bewertung aufgrund erheblicher methodischer Schwächen keine belastbaren Rückschlüsse auf die Wirksamkeit einer qualifizierten osteopathischen Behandlung zu. Die Kritik beruht auf einer Analyse des Instituts für osteopathische Studien (INIOST).

„Patientinnen und Patienten haben zuvorderst Anspruch auf eine qualitätsgesicherte Behandlung, die durch die im Koalitionsvertrag aufgenommene berufsgesetzliche Regelung sichergestellt werden wird. Hiervon unabhängig muss jede Bewertung der aktuellen Studienlage auf einer wissenschaftlich fundierten und differenzierten Grundlage erfolgen. Wenn Studien berücksichtigt werden, die gar keine osteopathische Behandlung im eigentlichen Sinne untersuchen bzw. viele Studien erst gar nicht berücksichtigt werden, entstehen zwangsläufig verzerrte Ergebnisse. Eine solche Grundlage wird der Komplexität der Osteopathie nicht gerecht“, erklärt VOD-Vorsitzende Prof. Marina Fuhrmann.

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Kritik an Studienauswahl und Suchstrategie

Nach der fachlichen Stellungnahme von INIOST-Leiter Helge Franke stützt sich der IGeL-Monitor im Wesentlichen auf eine einzige Übersichtsarbeit (Dal Farra et al.), die als „Leitreview“ bezeichnet wird, und lediglich um zwei weitere Primärstudien ergänzt wurde. In der herangezogenen Übersichtsarbeit wurden teilweise Studien berücksichtigt, in denen lediglich einzelne manuelle Techniken oder standardisierte Behandlungsabläufe durch nicht osteopathisch ausgebildete Behandler angewendet wurden. „Dadurch werde nicht die Wirksamkeit einer ganzheitlichen osteopathischen Behandlung untersucht, sondern lediglich isolierte Behandlungselemente“, so Franke.

Die Suchstrategie des IGeL-Monitors sei zu eng gewesen. Es habe weder eine breitere Suche in einer osteopathiespezifischen Datenbank noch eine dokumentierte Suche nach unveröffentlichter Literatur gegeben. Im Ergebnis blieben wesentliche Teile der verfügbaren Evidenz unberücksichtigt.

Einordnung der Evidenz und Forderung nach Neubewertung

In der INIOST-Analyse wird die mangelnde Unterscheidung zwischen „geringer Evidenzqualität“ und fehlender Wirksamkeit kritisiert. Die im Leitreview berichteten gepoolten Effekte lagen bei Schmerz im mittleren Bereich und beim funktionellen Status im kleinen Bereich und waren statistisch signifikant sowie klinisch relevant. Die Evidenzqualität wurde wegen möglichen Publication bias herabgestuft, ohne dass Maßnahmen zur Kontrolle dieser Verzerrung unternommen wurden.

BVO-Vorsitzende Christine Berek betont: „Wir begrüßen evidenzbasierte Bewertungen ausdrücklich. Sie müssen jedoch auf einer vollständigen und methodisch sauberen Datengrundlage beruhen. Genau daran bestehen bei der aktuellen Bewertung erhebliche Zweifel. Deshalb halten wir eine erneute, transparente, tatsächlich systematische Analyse unter Einbindung einer in der Osteopathie fachlich kompetenten Person für zwingend notwendig.“

Die Osteopathie-Allianz fordert eine methodisch adäquate Neubewertung mit vollständig aktualisierter Suche in allgemeinen und osteopathiespezifischen Datenbanken, klarerer Abgrenzung zwischen osteopathischer Behandlung und Einzeltechniken, systematischer Berücksichtigung unveröffentlichter Literatur sowie transparenterer Trennung zwischen Effektgröße, klinischer Relevanz und Vertrauenswürdigkeit der Evidenz.

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Hintergrund: Osteopathie-Allianz

Der Verband der Osteopathen Deutschland (VOD) und der Bundesverband Osteopathie (BVO) bündeln mit der Osteopathie-Allianz ihre politische Arbeit und vertreten gemeinsam rund 11.000 Mitglieder. Die Qualitätssicherung für Patientenschutz und Verbraucherschutz steht dabei an oberster Stelle.