Pflegeberufe: Vielfältige Karrierewege jenseits des Stationsalltags
Pflegeberufe: Vielfältige Karrierewege jenseits Stationsalltag

Ein Beruf in der Pflege wird oft mit dem klassischen Stationsdienst oder dem ambulanten Pflegedienst gleichgesetzt. Doch die Branche bietet weit mehr: von der hochspezialisierten Intensivpflege über Management und Bildung bis hin zu Forschung und Wissenschaft. Wer den passenden Weg finden will, sollte seine eigenen Interessen und Ziele genau kennen.

Die Vielfalt der Pflegeberufe

Viele Pflegekräfte starten mit einer klassischen Ausbildung oder einem dualen Studium, in dem sie verschiedene Fachbereiche wie den OP-Saal, die Notfall-Ambulanz oder die Psychiatrie kennenlernen. Nach dem Abschluss sammeln sie erste Berufserfahrungen in einem oder mehreren Fachgebieten. „Hieraus entwickeln sich persönliche Interessen und Kompetenzen – und oft entsteht der Wunsch nach Weiterentwicklung“, sagt Vera Lux, Präsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK). Mit diesem Wunsch gehen oft das Streben nach mehr Autonomie und Verantwortung sowie eine bessere Bezahlung einher.

Der Pflegebereich ist laut Prof. Frank Weidner, Vorsitzender des geschäftsführenden Vorstands des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung (DIP), „ein Kosmos mit zig Betätigungsfeldern“. Fachleute können in der Krankenversorgung arbeiten, aber auch im Management, Bildungsbereich, in der Verwaltung, Beratung oder in Forschung und Wissenschaft. Fachkarrieren sind etwa in der hoch technisierten Intensivpflege oder der Palliativpflege möglich, die viel Empathie erfordert.

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Ausbildung oder Studium – der richtige Weg

Ob ein Studium mit Bachelorniveau oder eine Ausbildung die bessere Wahl ist, hängt von den persönlichen Neigungen ab. „Ein Studium ist insgesamt wissenschaftlicher angelegt als eine Ausbildung“, so Weidner. Wer früh weiß, dass er sich beruflich weiterentwickeln möchte, sollte laut Lux den akademischen Weg wählen, da dies die Ausbildungszeit verkürzt und Kosten spart. Bei einem drei- bis vierjährigen Bachelorstudium und einem anschließenden zweijährigen Masterstudium sind Fachkräfte nach insgesamt fünf bis sechs Jahren fertig ausgebildet. Im Vergleich dazu dauert der Weg über eine klassische drei­jährige Ausbildung, ein anschließendes dreijähriges Bachelorstudium und ein zweijähriges Masterstudium insgesamt acht Jahre.

Karrierewege in der Pflege

Neben den bereits genannten Feldern bieten sich Karrieren als Advanced Practice Nurse (APN) mit erweitertem Tätigkeitsbereich oder als Community Health Nurse (CHN) an – als erste Ansprechpartner für Krankheitsprävention und bei chronischen Erkrankungen. Auch Qualitäts- und Risikomanager oder die Leitung einer Abteilung, Station oder Einrichtung sind mögliche Wege. „Pflegekräfte müssen sich nicht für immer festlegen, sie können nach erfolgter Weiterbildung immer wieder in andere Betätigungsfelder der Branche wechseln“, betont Weidner.

Im Berufsalltag entdecken Pflegekräfte häufig ihre Interessen, indem sie sich in Projekte ihrer Abteilung einbringen und Wissen aneignen. Lux erklärt: „Dazu kommt es automatisch, wenn sie sich in die Organisation und Projekte ihrer jeweiligen Abteilung einbringen und sich Wissen aneignen.“ Dabei geht es um die Weiterentwicklung von Pflegequalität, Patientensicherheit, digitale Dokumentationssysteme und mehr.

Weiterbildungsmöglichkeiten

Bevor Pflegekräfte eine Weiterbildung angehen, sollten sie sich laut Lux klarmachen, was sie wollen: Wissen aktualisieren, neue Kompetenzen erwerben, mehr Verantwortung übernehmen (etwa als Projektleitung, Führungskraft, Praxisanleitung oder Lehrkraft), eine akademische Karriere einschlagen oder eine spezifische Weiterbildung machen. „Weiterbildungen sind etwa nach Absprache mit dem Arbeitgeber in Vollzeit möglich“, so Weidner. Es gibt aber auch berufsbegleitende Angebote, bei denen Teile digital erfolgen können.

Die Rolle der Arbeitgeber

Viele Unternehmen im Pflegebereich haben laut Lux Abteilungen für Personalentwicklung und Karriereberatung etabliert. Diese kümmern sich um Skills in Persönlichkeit, Kommunikation, Konflikttraining, Fehlerkultur und digitale Kompetenzen. Oft unterstützen Arbeitgeber Weiterbildungen durch Kostenübernahme, bezahlte Freistellung oder Sabbaticals. So können Pflegekräfte ihren Karriereweg flexibel gestalten und auf ihre individuellen Stärken und Wünsche abstimmen.

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