In Potsdam wächst der Widerstand gegen die geplante Schließung mehrerer Klinikabteilungen. Ein Bündnis aus rund einem Dutzend Parteien und Organisationen hat zu einer Demonstration am Freitag, 17 Uhr, am Bassinplatz aufgerufen. Der Appell unter dem Motto „Hände weg von unserer Gesundheit“ wird unter anderem von den Kreisverbänden der Grünen, Linken und Volt, der Fraktion Die Andere, der Gewerkschaft Verdi, Berufsverbänden und der Endometriose-Selbsthilfegruppe getragen.
Hintergrund: Krankenhausreform führt zu Abteilungs-Schließungen
Betroffen sind das St. Josefs-Krankenhaus und das städtische Bergmann-Klinikum. Zum 1. August werden infolge der Krankenhausreform am Bergmann-Klinikum die Orthopädie und Gefäßchirurgie geschlossen, am St. Josefs die Gynäkologie, Geburtshilfe und Neurologie. Die Geburtsstation im St. Josefs ist bereits seit Wochen geschlossen – aufgrund von Personalmangel früher als geplant.
Christian Unzicker, Geschäftsführer des Bergmann-Klinikums, bestätigte auf Anfrage: „Wir können heute nicht ausschließen, dass weitere Stationen schließen müssen.“ Die Prüfung der wirtschaftlichen Tragfähigkeit der einzelnen Bereiche sei noch nicht abgeschlossen, erklärte Unzicker im Interview mit der Märkischen Allgemeinen.
Auswirkungen auf Geburtenzahlen
Die Schließung der Geburtsstation am St. Josefs zeigt bereits konkrete Folgen: Am Bergmann-Klinikum wurden in der vergangenen Woche 50 Geburten angemeldet – normalerweise sind es im Schnitt 30 pro Woche. Das Klinikum habe mit der Erhöhung der Hebammenschichten reagiert, so Unzicker.
Kritik des Protestbündnisses
Das Bündnis kritisiert die „Hauruck-Schließungen“ und die fehlende Beteiligung. „Ob Kreißsaal, Endometriosezentrum, Psychotherapieplatz oder Hausarztpraxis: Es trifft immer die Menschen, die Versorgung am dringendsten brauchen, und die, die sie leisten“, heißt es in der Mitteilung. Dies sei „beschämend und zynisch“.
Verschärft werde die Situation durch das Krankenkassen-Sparpaket der schwarz-roten Koalition, das Bundestag und Bundesrat am 10. Juli beschlossen haben. Es soll die gesetzlichen Krankenkassen 2027 von steigenden Ausgaben entlasten. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft befürchtet, dass jede dritte Klinik das Sparpaket nicht überleben wird.
Forderungen des Bündnisses
Der Aufruf fordert die Rücknahme der angekündigten Schließungen und die Beteiligung von Interessensvertretungen. Zudem sollen das Endometriosezentrum und die Ambulanz für Multiple Sklerose (MS) erhalten bleiben. Auf Bundesebene spricht sich das Bündnis gegen die Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag aus, um Hausarztpraxen zu entlasten.



