Rauchen gilt als eines der größten Gesundheitsrisiken. Doch ein Wissenschaftler der University of Cambridge kommt nach der Auswertung zahlreicher Studien zu einem überraschenden Schluss: Sehr schlechte Fitness könnte mit einem größeren Sterberisiko verbunden sein als Rauchen. Deshalb stellt der Forscher die aktuell geltenden Fitnessempfehlungen infrage.
Schlechte Fitness erhöht Sterberisiko drastisch
Chris Macdonald wertete zahlreiche Studien zu Bewegung und gesundem Altern aus. Seine Erkenntnis: Viele Empfehlungen seien vor allem darauf ausgelegt, Bewegungsmangel zu verhindern – nicht darauf, Menschen möglichst lange fit und selbstständig zu halten. Besonders eine Zahl fällt auf: Menschen mit sehr schlechter Herz-Kreislauf-Fitness hatten in einer der ausgewerteten Studien ein etwa 400 Prozent höheres Sterberisiko als Menschen mit hoher Fitness. Um zu zeigen, wie hoch das Risiko ist, verweist MacDonald zum Vergleich auf eine andere Analyse. In dieser war Rauchen mit einem etwa 50 Prozent höheren Sterberisiko verbunden.
Warum der Vergleich mit Vorsicht betrachtet werden sollte
Wichtig dabei: Die Zahlen stammen aus unterschiedlichen Studien und wurden nicht direkt miteinander verglichen. Der Fachbeitrag zeigt deshalb nicht, dass schlechte Fitness grundsätzlich gefährlicher ist als Rauchen. Was die Studienlage aber klar verdeutlicht: wie groß die Unterschiede zwischen sehr fitten und sehr unfitten Menschen ausfielen. Auch die Muskelkraft spielte eine wichtige Rolle. Menschen mit geringer Muskelkraft hatten ein etwa 200 Prozent höheres Sterberisiko als Menschen mit hoher Muskelkraft.
Weitere Erkenntnisse des Fachbeitrags
Bewegung könnte weit mehr bewirken als nur Gewichtsverlust. Die Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining schnitt in den ausgewerteten Studien besonders gut ab. Intensives Training könnte größere gesundheitliche Vorteile bringen als moderate Bewegung. Macdonald hält zudem die aktuellen Empfehlungen bezüglich der Eiweißzufuhr für zu niedrig. Er fordert, die bestehenden Bewegungs- und Eiweiß-Empfehlungen zu überprüfen. Der Fachbeitrag ist keine neue klinische Studie. Macdonald wertete bereits veröffentlichte Forschung aus und interpretierte deren Ergebnisse.



