Türkischer Konzern übernimmt Jüdisches Krankenhaus Berlin nach Insolvenz
Türkischer Konzern übernimmt Jüdisches Krankenhaus Berlin

Sieben Monate nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens hat das Jüdische Krankenhaus Berlin (JKB) einen neuen Betreiber. Die in Deutschland bisher nicht im Gesundheitsmarkt aktive türkische Medicana-Gruppe übernimmt die Klinik samt Verbindlichkeiten. Die Gläubiger der Klinik hätten sich einstimmig für diesen Schritt entschieden, das Notarielle sei am Donnerstag abgeschlossen worden, teilte das JKB mit.

Medicana sichert Personal und medizinische Leistungen

Der neue Träger werde den Umfang der medizinischen Leistungen sowie das Personal erhalten, hieß es weiter. Ebenso solle die „Identität“ von Deutschlands einzigem jüdischem Krankenhaus gewahrt werden. In der Belegschaft und der Politik hatten einige befürchtet, die Klinik könnte so umgestaltet werden, dass sie ihren Charakter verliere.

Vorstandschefin betont Bedeutung der Identität

„Entscheidend waren für uns die medizinische Versorgungskompetenz und die wirtschaftliche Stabilität, aber auch die Bereitschaft, die besondere Geschichte und Identität unseres Hauses dauerhaft zu respektieren und fortzuführen“, sagte JKB-Vorstandschefin Brit Ismer. Die neuen Eigentümer teilten mit: „Der notwendige Respekt und die gebührende Sorgfalt gegenüber dem historischen Erbe des Krankenhauses und den Rechten der jüdischen Gemeinde werden stets bedingungslos gewahrt.“ Der Kauf des JKB in Gesundbrunnen passe zur „langfristigen Wachstumsstrategie“ der Kette.

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Medicana: 20 Kliniken in der Türkei und Südosteuropa

Medicana hat seinen Sitz in Istanbul und betreibt 20 Kliniken in der Türkei und Südosteuropa. Der Konzern ist auch im Bildungsmarkt tätig, darunter mit der privaten Fenerbahçe-Universität. Das JKB gehörte bislang einer eigenen Stiftung, deren Kuratorium aus fünf Vertretern des Landes, zwei der Belegschaft und zwei der Jüdischen Gemeinde besteht. Das JKB umfasst 380 Betten und fast 850 Beschäftigte.

Belegschaft favorisierte öffentlichen Träger

Viele Beschäftigte des Jüdischen Krankenhauses hatten zuletzt deutlich gemacht, sie favorisierten einen öffentlichen Träger, also die Charité und die ebenfalls landeseigenen Vivantes-Kliniken. Finanzsenator Stefan Evers (CDU) wies vor einigen Wochen die Vivantes-Spitze an, eine Machbarkeitsanalyse zu erstellen. Diese kommt zu dem Schluss, dass der Übernehmer nicht nur die Schulden der Traditionsklinik tilgen muss – allein bei der Hauptgläubigerbank betragen diese 35 Millionen Euro –, sondern auch in Technik und Bauten investieren muss. Die Vivantes-Spitze veranschlagt dafür insgesamt 180 Millionen Euro, Mittel, die dem defizitären Landeskonzern fehlen.

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