Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor einem drastischen Anstieg der Krebsneuerkrankungen weltweit. Laut dem aktuellen Krebsbericht der WHO könnten im Jahr 2050 rund 35 Millionen Menschen pro Jahr neu an Krebs erkranken, verglichen mit 20,6 Millionen Fällen im Jahr 2024. Ohne wirksame Gegenmaßnahmen droht damit eine nahezu Verdoppelung der Diagnosen.
Ursachen: Mangelnde Vorbeugung und bekannte Risikofaktoren
Als Hauptursachen nennt die WHO Defizite bei der Vorbeugung sowie bekannte Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und Übergewicht. „Viel zu viele Menschen werden immer noch im Stich gelassen“, sagte WHO-Experte André Ilbawi. Er betonte, dass Debatten über neue Technologien und Behandlungen oft den Blick auf die globale Realität verstellten.
Große Unterschiede in der Überlebensrate
Die weltweiten Unterschiede beim Erkennen und Behandeln von Krebs sind enorm. Bei Brustkrebs liegt die Überlebensrate in reichen Ländern bei 85 Prozent, in ärmeren Staaten dagegen nur bei rund 40 Prozent. In lediglich 39 Prozent aller Länder ist der Zugang zu minimalen Behandlungen möglich. „Das bedeutet, dass ein Großteil der Weltbevölkerung keinen Zugang zu einer Grundversorgung hat“, so die WHO.
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte: „Krebs ist eine zutiefst persönliche Krankheit, die uns fast alle betrifft. Doch ob ein Mensch den Krebs überlebt, darf niemals davon abhängen, wo er geboren wurde oder wie viel er verdient.“
Hohe finanzielle Belastung für Betroffene
Die Diagnose Krebs führt oft zu hohem seelischen Stress und finanziellen Problemen. Laut WHO ist Krebs eine der Hauptursachen für medizinisch bedingten Bankrott. Mehr als die Hälfte der Patienten und ihrer Familien sind mit katastrophalen Gesundheitsausgaben konfrontiert. Zudem werden 92 Prozent der Weltbevölkerung einmal im Leben mit Krebs zu tun haben – entweder als Patient oder als enger Angehöriger.
Fortschritte und neue Gefahren
Bei der Prävention gibt es Erfolge: Im Vergleich zu 2010 greifen 27 Prozent weniger Menschen zu Zigaretten, Zigarren oder Pfeifen. Beim Alkoholkonsum ist nur eine geringfügige Besserung zu verzeichnen. Besorgniserregend ist der Trend bei Übergewicht und Bewegungsarmut, der sich weiter verschlimmert. Die größte Lücke sei nicht mehr das Wissen um die Krankheit, sondern die Lücke „zwischen dem, was wir wissen und dem, was wir tun“.
Besonders weit verbreitet sind Brust-, Lungen-, Darm- und Prostatakrebs. Die WHO fordert verstärkte Maßnahmen zur Prävention und einen besseren Zugang zu Behandlungen weltweit.



