Schweizer Freibad verdoppelt Eintrittspreise für Ausländer
Freibad Pruntrut verdoppelt Preise für Ausländer

Im vergangenen Sommer sorgte ein Freibad in der Schweiz mit einem Zutrittsverbot für ausländische Badegäste europaweit für Schlagzeilen. Nun steht das „Badi“ in Pruntrut (frz. Porrentruy) im Kanton Jura erneut im Fokus der Kritik. Die Gemeinde hat das Verbot zwar aufgehoben, doch dafür müssen Gäste ohne Wohnsitz in der Schweiz oder ohne Schweizer Staatsbürgerschaft künftig den doppelten Eintrittspreis zahlen, wie Schweizer Medien berichten.

Neue Preisregelung ab Saison 2026

Seit Beginn der Saison 2026 kostet der Eintritt für Erwachsene ohne Wohn- oder Arbeitssitz in der Schweiz 15 statt 7,50 Franken (16,14 Euro statt 8,20 Euro), wie das Nachrichtenportal „Blick.ch“ schreibt. Kinder und Jugendliche zahlen zehn statt fünf Franken. Zudem können auswärtige Gäste ihre Tickets nur online erwerben und müssen beim Einlass einen amtlichen Ausweis vorlegen. Ein Saisonabonnement steht ihnen nicht zur Verfügung.

Begründung der Gemeinde

Gemeindepräsident Philippe Eggertswyler erklärte gegenüber der Zeitung „24 Heures“: „Es geht nicht darum, Schweizer und Franzosen gegeneinander auszuspielen, sondern darum, die Ruhe zu garantieren.“ Die Verantwortlichen begründen die Maßnahmen mit Vorfällen im vergangenen Sommer. Pruntrut liegt nur wenige Kilometer von der französischen Grenze entfernt. Nachdem Schwimmbäder in benachbarten französischen Regionen zeitweise geschlossen worden waren, kamen vermehrt Jugendliche in die 6000-Einwohner-Stadt.

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Vorfälle im Sommer 2025

Es kam wiederholt zu sexuellen Belästigungen junger Frauen, aggressivem Auftreten, Verstößen gegen die Badeordnung und Polizeieinsätzen wegen Gewalt. Die Stadt sprach insgesamt 20 Hausverbote aus. Auch ein Sicherheitsdienst konnte die Lage nicht entschärfen. Zudem belasteten die zusätzlichen Kosten den Haushalt. Daraufhin wurde Menschen ohne Wohnsitz in der Schweiz der Zutritt zeitweise weitgehend untersagt. Wer dennoch ins Bad wollte, musste nachweisen, dass er Urlaub in der Region machte und eine Unterkunft vorweisen konnte.

Kritik von der Anti-Rassismus-Kommission

Die Maßnahme löste eine heftige Debatte aus. Kritik kam unter anderem von der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus. Ein pauschales Badeverbot für ausländische Personen sei „problematisch und irritierend“. Statt kollektiver Maßnahmen sollten individuelle Hausverbote gegen konkrete Störer geprüft werden. Auch das aktuelle Modell stößt auf rechtliche Bedenken. Dennoch hält sich die Kommune weitere Einschränkungen ausdrücklich offen. Ein neues Reglement soll künftig ermöglichen, bei Sicherheitsproblemen oder großem Andrang den Zugang bestimmter Gruppen vorübergehend zu beschränken.

Positive Erfahrungen der Betreiber

Die Betreiber verweisen dagegen auf positive Erfahrungen mit ihrem harten Kurs. Nach dem Ausländerverbot seien mehr als doppelt so viele Saisonkarten verkauft worden wie im Vorjahr. Lionel Maitre vom zuständigen Gemeindeverband zog eine positive Bilanz: „Die Einheimischen haben ihr Schwimmbad zurückerobert, nun haben wir dort wieder Ruhe und Gelassenheit.“

Gemischte Reaktionen der Badegäste

Auch unter den Badegästen gehen die Meinungen auseinander. Ein Besucher verteidigte die verschärften Vorgaben gegenüber der Zeitung „20 Minuten“ mit den Worten: „Die Franzosen kamen nicht hierher, um eine gute Zeit zu erleben, sondern um Unruhe zu stiften.“ Andere halten die Praxis für ungerecht. „Wir sollten aufhören zu generalisieren und alle Menschen in die gleiche Schublade zu stecken“, sagte ein 24-jähriger Badegast. Seine Freunde aus Frankreich kämen inzwischen nicht mehr zum Schwimmen, weil es ihnen zu teuer geworden sei.

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