Die extreme Hitzewelle der vergangenen Woche in Nordrhein-Westfalen hat nicht nur Rettungsdienste, sondern auch Bestatter an ihre Grenzen gebracht. Im Raum Köln kam es am Wochenende vorübergehend zu Engpässen beim Abtransport von Leichen. Dies berichtete Professor Frank Stollmann, Gruppenleiter im nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium, im zuständigen Ausschuss des Landtags.
Akute Engpässe in Leverkusen und Köln
Nach Angaben der Bezirksregierung Köln gab es am Samstag in Leverkusen einen akuten Engpass bei der Unterbringung von Verstorbenen. Auch die Stadt Köln meldete vergleichbare Probleme. Durch Vermittlung des Innenministeriums wurde ein Kontakt zu den Notfallteams des Bundesverbandes der Bestatter hergestellt. Dieser konnte der Stadt Leverkusen mindestens 30 Plätze für Leichen anbieten. Die Stadt Köln wurde ebenfalls auf das Notfallteam hingewiesen, jedoch konnte die Uniklinik dort zwischenzeitlich Abhilfe schaffen.
Gesetzliche Vorgaben und hitzebedingte Herausforderungen
Laut Bestattungsgesetz Nordrhein-Westfalen muss ein Leichnam spätestens nach Ablauf von 36 Stunden in eine Leichenhalle überführt werden. Bei extremer Hitze kann es aus Gründen des Gesundheitsschutzes notwendig sein, den Leichnam noch schneller zu überführen, erklärte Stollmann. Nach bisherigem Kenntnisstand handele es sich eher um „solitäre Problemlagen“ und nicht um ein flächendeckendes Phänomen. Dies werde jedoch noch geprüft. Es gebe eine gute Netzwerkarbeit unter den Bestattern, die einander helfen.
Übersterblichkeit durch Hitze noch nicht nachweisbar
Ob die Hitzewelle eine Übersterblichkeit verursacht habe, könne derzeit noch nicht mit konkreten Zahlen belegt werden, so Stollmann weiter. Die Daten der Todesursachenstatistik 2026 würden wegen der Meldewege voraussichtlich erst bis Herbst 2027 vorliegen. Die Auswertung erfolge für das gesamte Jahr und nicht für einzelne Monate oder Wochen. Zudem werde in der Statistik nur das Grundleiden dokumentiert. Todesfälle, die einen starken Zusammenhang zur Hitzebelastung haben könnten, bei denen aber als ursächliches Grundleiden etwa eine Herz-Kreislauf-Erkrankung dokumentiert werde, würden nicht als hitzebedingt identifiziert.
Gesundheitsminister Laumann: Lokale Probleme, aber keine Systemkrise
Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte mit Blick auf die tagelange Extremhitze: „Das waren für das gesamte Gesundheits- und Pflegesystem und Rettungssystem vor allen Dingen am Samstag und Sonntag äußerst herausfordernde Situationen.“ Ohne Frage sei es in Krankenhäusern und Notfallambulanzen teilweise zu schwierigen Stunden gekommen. Nirgendwo aber habe es ein sogenanntes übergeordnetes Versorgungsproblem gegeben. „Es hat lokale Versorgungsprobleme gegeben, aber die sind dann auch lokal gelöst worden.“



