In Hamden, Ohio, wurden am 30. Juni 2026 insgesamt 16 Kinder aus einem katastrophal verwahrlosten Haus befreit. Die Kinder im Alter von eineinhalb bis 18 Jahren waren nach Angaben der Ermittler fast vier Jahre lang unter unvorstellbaren Bedingungen eingesperrt. Der Fall sorgt landesweit für Entsetzen.
Fund bei Durchsuchung in anderer Sache
Die Kinder wurden entdeckt, als Ermittler einen Durchsuchungsbeschluss in einem anderen Fall vollstreckten. „Wir wussten nicht, dass sie dort sein würden“, sagte Ohios Justizminister Andy Wilson auf einer Pressekonferenz. Das Haus in der abgelegenen Gemeinde Hamden (weniger als 1000 Einwohner) war völlig vermüllt. Auf der Holzterrasse und im Garten lagen alte Reifen, ein Hochstuhl und weiterer Unrat. Im Inneren des Hauses stapelte sich der Müll meterhoch, menschliche Fäkalien waren sichtbar.
Zustand der Kinder erschütternd
Der Sheriff von Vinton County, Ryan Cain, erklärte: „Ein Großteil unseres Viehs wurde unter besseren Bedingungen gehalten als die Kinder. Einfach ein widerlicher Anblick.“ Justizminister Wilson ergänzte: „Sie sahen fast wie wilde Tiere aus.“ Die Kinder verbrachten die meiste Zeit in einem einzigen Raum von etwa 3,5 mal 3,5 Metern (rund 12,3 Quadratmeter). Käfige wurden nicht gefunden. Eine 18-Jährige mit Entwicklungsstörung konnte nicht einmal ihren eigenen Namen schreiben. Sieben Kinder wurden in Krankenhäuser nach Columbus gebracht, zwei per Hubschrauber; ein Kind befand sich am Dienstag in kritischem Zustand.
Anklage gegen vier Familienmitglieder
Die Eltern Gary Siders Jr. (36) und Elizabeth Siders (33) sowie die Großeltern Gary Siders Sr. (73) und Christina Siders (67) wurden festgenommen und wegen Kindesgefährdung angeklagt. Generalstaatsanwalt Wilson sprach vom „puren Bösen“. Alle vier plädierten vor Gericht auf nicht schuldig. Das Ohio Department of Job and Family Services übernahm vorläufig die Obhut über die Kinder. Unklar ist, ob alle 16 Kinder Geschwister sind oder in welchem Verwandtschaftsverhältnis sie zueinander stehen.
Familie lebte zurückgezogen
Die Familie Siders war in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehrfach durch den Süden Ohios gezogen. Termine bei Behörden und Ärzten wurden vermieden. Das Haus liegt an einer Straße neben einem steilen Bahndamm; Bäume und dichtes Gestrüpp versperren die Sicht zu den Nachbarn. Vom Straßenrand aus ist das Gebäude jedoch gut zu sehen. Nach Angaben der Ermittler wusste offenbar niemand außerhalb der Familie, dass die Kinder dort lebten.



