Ein verhängnisvoller Fehler im Krankenhaus verändert Pierres Leben für immer. Seine Familie kämpft seither gegen Schmerz, Schuld und Bürokratie. Durch einen Behandlungsfehler nach einem Sturz wurde Heikes Sohn Pierre 2018 zum schweren Pflegefall.
Ein übersehener Schädelbruch nach Sturz macht Pierre zum schweren Pflegefall
Es ist kurz vor 14 Uhr. Heike hat jetzt etwa eine Stunde Zeit, um von dem Tag zu erzählen, seitdem alles anders ist. Dann muss sie ihren Sohn Pierre, 33 Jahre alt, wickeln und umlagern. Das macht sie alle zwei Stunden, damit sich keine Wunden bilden. Nur nachts ist der Abstand minimal länger. Dann stehen ihr Mann Andreas und sie einmal um 1 Uhr auf und dann wieder um 4 Uhr. So geht das seit fast acht Jahren. Seither ist Pierre ein schwerer Pflegefall. Sein Großhirn ist zerstört.
Ein Gericht bestätigt: Ein einfaches Röntgenbild hätte sein Schicksal verhindern können
Heikes Tag ist durchgetaktet. Früh muss die Sonde zur künstlichen Ernährung angeschlossen werden, die Medikamente werden vorbereitet, lagern, wickeln, Pflege, Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie, Organisatorisches. Pierres Zustand bezeichnen Ärzte als „ohne Bewusstsein“. Er reagiert auf Stimmen, auf Musik. Doch große Reaktionen sind nicht mehr zu erwarten. Ein einfaches Röntgenbild hätte sein Leid verhindern können. Jahre später bestätigt ein Gericht: Behandlungsfehler.
Seine Eltern pflegen ihn seitdem rund um die Uhr
Die Familie musste sich nicht nur mit den gesundheitlichen Folgen auseinandersetzen, sondern auch mit einem langwierigen juristischen Verfahren. Der Kampf gegen die Bürokratie und das Gesundheitssystem forderte zusätzliche Kraft. „Von wegen ‚Götter in Weiß‘“, sagt Heike bitter. „Wir haben jahrelang gekämpft, um endlich Gerechtigkeit zu erfahren.“ Die Eltern haben ihr Leben komplett umgestellt, um Pierre rund um die Uhr versorgen zu können. Finanzielle Belastungen und emotionale Erschöpfung prägen ihren Alltag. Der Fall zeigt exemplarisch, wie ein vermeidbarer Fehler das Leben einer ganzen Familie zerstören kann.



