Krankschreibung ab Tag eins: Ärzte warnen vor Super-GAU
Krankschreibung ab Tag eins: Ärzte warnen vor Super-GAU

Die geplante Verschärfung der Regeln für Krankschreibungen durch Union und SPD stößt auf massive Kritik. Ärztevertreter bezeichnen die Maßnahme als „Super-GAU“ für die Praxen. Auch der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) äußerte sich ablehnend: „Ich hätte das nicht gemacht.“

Was beschlossen wurde

Nach dem Koalitionsbeschluss soll die Krankschreibung künftig wieder ab dem ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit erforderlich sein. Die telefonische Krankschreibung, die während der Pandemie eingeführt wurde, wird abgeschafft. Arbeitnehmer müssen ab dem ersten Krankheitstag eine ärztliche Bescheinigung vorlegen.

Die Regelung betrifft alle gesetzlich Versicherten. Ausnahmen sind nicht vorgesehen. Ziel der Koalition ist es, Missbrauch zu verhindern und die Arbeitsmoral zu stärken. Nach Schätzungen des Bundesgesundheitsministeriums könnten so jährlich bis zu 500 Millionen Euro eingespart werden.

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Kritik von Ärztevertretern

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) warnt vor einer Überlastung der Praxen. „Für Arztpraxen ist das der Super-GAU“, sagte ein Sprecher. „Die Praxen werden mit zusätzlichen Terminen überschwemmt, die eigentlich nicht nötig wären.“ Besonders in der Grippesaison drohten lange Wartezeiten und Engpässe.

Der Vorsitzende des Hartmannbundes, Dr. Klaus Reinhardt, kritisierte: „Die Politik schiebt die Verantwortung auf die Ärzte ab. Statt Bürokratie abzubauen, wird neue geschaffen.“

Lauterbachs Ablehnung

Der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach, der selbst Arzt ist, stellte sich gegen den Beschluss. In einer Stellungnahme sagte er: „Ich hätte das nicht gemacht. Die telefonische Krankschreibung hat sich bewährt und entlastet die Praxen.“ Er verwies auf Studien, die keinen signifikanten Missbrauch belegten.

Lauterbach forderte die Koalition auf, die Entscheidung zu überdenken. „Wir brauchen mehr Digitalisierung im Gesundheitswesen, nicht weniger“, so Lauterbach.

Auswirkungen für Arbeitnehmer

Arbeitnehmer müssen künftig bei jeder Krankheit, auch bei leichten Erkältungen, zum Arzt gehen. Das bedeutet zusätzlichen Zeitaufwand und möglicherweise längere Wartezeiten. Zudem steigt das Risiko von Ansteckungen in den Wartezimmern.

Gewerkschaften kritisieren die Regelung als „Misstrauensvotum“ gegenüber den Beschäftigten. „Die meisten Arbeitnehmer sind nicht krank, wenn sie gesund sind“, sagte ein Sprecher des DGB. „Die Maßnahme bestraft die Ehrlichen und entlastet niemanden.“

Reaktionen aus der Wirtschaft

Arbeitgeberverbände begrüßten den Beschluss hingegen. Sie erhoffen sich einen Rückgang der Krankenstände. „Die telefonische Krankschreibung hat die Hemmschwelle gesenkt, sich krankzumelden“, so ein Vertreter der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).

Allerdings warnen Experten vor möglichen negativen Folgen für die Produktivität. Wenn Arbeitnehmer krank zur Arbeit kämen, steige das Risiko von Folgeerkrankungen und langen Ausfällen.

Fazit

Der Koalitionsbeschluss zur Krankschreibung ab Tag eins bleibt umstritten. Während die Koalition auf Einsparungen und weniger Missbrauch hofft, sehen Ärzte und Opposition eine Überlastung des Gesundheitssystems. Ob die Regelung tatsächlich umgesetzt wird, ist noch offen – der Bundesrat muss noch zustimmen.

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