Berliner Senat zieht Bilanz zu Waffenverbotszonen
Rund 14 Monate nach der Einrichtung permanenter Waffen- und Messerverbotszonen im Görlitzer Park, am Kottbusser Tor und am Leopoldplatz hat der Berliner Senat eine detaillierte Bilanz vorgelegt. Die Verbote gelten seit dem 15. Februar 2025 und wurden am 17. Juli 2025 auf den gesamten öffentlichen Nahverkehr ausgeweitet. Die nun veröffentlichte Antwort auf eine Anfrage der Linken im Abgeordnetenhaus zeigt beeindruckende Zahlen, aber auch die enormen Anstrengungen der Polizei.
Massive Polizeipräsenz
Bis zum Stichtag am 4. April 2026 führten Polizeibeamte rund 31.000 Kontrollen in den Verbotszonen durch. Diese umfassen das Anhalten, Befragen und Durchsuchen von Personen. In etwa 81 Prozent der Fälle fanden Durchsuchungen statt. Der öffentliche Nahverkehr war mit Abstand der Ort mit den meisten Durchsuchungen, gefolgt vom Leopoldplatz und dem Kottbusser Tor. Im Görlitzer Park wurden verhältnismäßig die wenigsten Durchsuchungen durchgeführt.
Der personelle Aufwand ist beträchtlich: Die Beamten leisteten bis zum Stichtag rund 187.000 Einsatzkräftestunden, was mehr als 23.000 Acht-Stunden-Tagen entspricht.
Über 400 Messer aus dem Verkehr gezogen
Insgesamt beschlagnahmten die Beamten 411 Messer sowie acht Schusswaffen. Hinzu kamen 154 weitere gefährliche Gegenstände wie Schlagstöcke oder Reizsprays. Auch hier ist der öffentliche Nahverkehr Spitzenreiter: 250 Messer wurden dort sichergestellt. Auf dem Leopoldplatz waren es immerhin 113 Messer, während die Zahlen für das Kottbusser Tor und den Görlitzer Park im niedrigen zweistelligen Bereich liegen.
Zahl der Tatverdächtigen im Verhältnis gering
In den Verbotszonen erfasste die Polizei insgesamt 170 Straftaten mit 165 Tatverdächtigen. Zusätzlich wurden 676 Ordnungswidrigkeiten festgestellt, von denen sich 646 direkt auf die Verbotszonenregeln bezogen.
Hohe Bußgelder, schleppende Einnahmen
Wer in einer Verbotszone mit einem Messer erwischt wird, muss mit Bußgeldern zwischen 79 und 1054 Euro rechnen. Im Durchschnitt werden 378 Euro fällig. Allerdings klafft eine große Lücke zwischen den verhängten und den tatsächlich eingenommenen Bußgeldern: Von rund 187.000 Euro festgesetzten Strafen sind bislang nur etwa 61.000 Euro in der Landeskasse eingegangen. Der Großteil der Einnahmen – über 90 Prozent – stammt aus Kontrollen im öffentlichen Nahverkehr.
Wie effektiv sind die Zonen wirklich?
Ob die Verbotszonen tatsächlich zu einem Rückgang der Gewaltkriminalität führen, bleibt vorerst Gegenstand interner Bewertungen durch Senat und Polizei. Die Polizei berichtet einmal monatlich an die Senatsverwaltung für Inneres. Eine darüberhinausgehende Evaluation sei derzeit nicht geplant, heißt es in der Senatsantwort.
Die Verbote im Görlitzer Park, am Kottbusser Tor und am Leopoldplatz gelten seit dem 15. Februar 2025 für öffentliche Straßen, Wege und Plätze sowie die U-Bahnhöfe Görlitzer Park, Kottbusser Tor und Leopoldplatz. Seit dem 17. Juli 2025 sind alle Berliner S-Bahnen, U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen Verbotszonen. Laut Verordnung sind jegliche Waffen sowie alle Messer – inklusive Küchen- und Gebrauchsmesser – für alle Personen verboten. Hintergrund war eine steigende Anzahl von Messerangriffen mit Verletzten und Toten in der Hauptstadt. Berlins Innensenatorin Iris Spranger erklärte damals, die Verbotszonen seien ein Baustein eines Gesamtkonzepts gegen Messerangriffe in der Öffentlichkeit.



