Mario M. täuschte Hotelpersonal mit Lügen über Krebs und ADAC
Mario M. hat 16 Monate lang in einem Flughafenhotel am Berliner BER gelebt und die Rechnung in Höhe von 107.000 Euro nicht beglichen. Dafür verurteilte ihn das Amtsgericht Tiergarten am heutigen Tag zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren wegen besonders schweren Betrugs. Der 55-Jährige hatte beim Einchecken am 1. April 2023 eine erfundene Geschichte über eine Krebserkrankung und eine angebliche Kostenübernahme durch den ADAC erzählt.
„Ich habe alle Register gezogen“, sagte Mario M. vor Gericht. „Man hat mir geglaubt.“ Er gab zu, mit fingierten E-Mails, die angeblich vom ADAC stammten, das Hotel getäuscht zu haben. „Das machte es glaubwürdig – ich war in den Mails der ADAC.“ Der Angeklagte zeigte Reue: „Damals habe ich es nicht besser gewusst. Ich dachte, ich könnte es regeln. Heute würde ich es anders machen.“
Lügengebäude und heimliche Abreise
Laut Anklage hatte Mario M. „wahrheitswidrig bewusst und gewollt den unzutreffenden Eindruck vermittelt, zahlungswillig und zahlungsfähig zu sein“. Er gab an, mit seiner Partnerin und deren zwei minderjährigen Kindern in einem Wohnwagen angereist zu sein, der abgebrannt sei. Die Kosten solle der ADAC übernehmen, da das Fahrzeug dort versichert gewesen sei. In Wirklichkeit gab es keine solche Versicherung.
Eine Mitarbeiterin des Hotels sagte als Zeugin aus: „Es fiel lange nicht auf.“ Der Gast habe immer wieder vertröstet und erklärt, er werde die Sache mit dem Automobilclub klären. Erst am 10. August 2024 zog Mario M. mit seiner Familie heimlich aus. Aktuell leben sie in einem Wohnheim in Köpenick.
Vorstrafen und psychische Belastung
Mario M. ist bereits vorbestraft: Seit 1998 gab es immer wieder Verfahren gegen ihn, vor allem wegen Betrugs. Etwa zehn Vorstrafen hat er bereits. Ende 2024 erhielt er eineinhalb Jahre Haft auf Bewährung, weil er sich von Juni 2022 bis Januar 2023 in Berliner Unterkünften eingebucht, aber nicht bezahlt hatte – ein Schaden von 25.000 Euro. Dieses Urteil wurde in die aktuelle Entscheidung einbezogen.
Der Verteidiger argumentierte, sein Mandant sei nicht derjenige, „der sich auf Kosten anderer schwer bereichern will“. Seine Konten seien leer gewesen, und er habe Ruhe vor dem Stalker des Ex-Mannes seiner Partnerin gesucht. Zudem habe M. bei seinem Auslandseinsatz als Soldat in Afghanistan psychischen Schaden genommen. „Ein Mensch, der ganz unten angekommen ist“, so der Anwalt. Der Staatsanwalt hingegen plädierte auf eine Gesamtstrafe von dreieinhalb Jahren Haft, der das Gericht folgte.
Urteil und Folgen
Das Amtsgericht Tiergarten sah es als erwiesen an, dass Mario M. eine „gewisse Unverfrorenheit“ an den Tag gelegt habe. Er habe das Hotel „bewusst in die Irre geführt“, indem er clever oder makabre Geschichten wie eine Krebserkrankung erzählte und mit fingierten E-Mails agierte. Die Strafe von dreieinhalb Jahren Haft soll nun vollstreckt werden. Der Verteidiger hatte zweieinhalb Jahre für ausreichend gehalten.



