Block-Entführungsprozess: Verteidiger kritisieren Zeugenaussage als unglaubwürdig
Block-Entführung: Verteidiger kritisieren Zeugenaussage

Im Fall der Entführung der Block-Kinder haben mehrere Verteidiger die Aussage des mutmaßlichen Chefs der Kidnapper als unglaubwürdig kritisiert. Der Zeuge David Barkay habe andere belastet, um sich selbst zu entlasten, erklärte Verteidiger Marko Voß, der den angeklagten Familienanwalt Andreas Costard (64) vertritt. Sein Mandant habe die Tat nicht beauftragt und trage rechtlich keine Verantwortung für die „Exzesse“ der Israelis.

Kritik an der Glaubwürdigkeit des Zeugen

„Es blieb sehr viel sehr vage“, meinte Ingo Bott, der Anwalt der angeklagten Unternehmerin Christina Block. Er betonte erneut: Ein von Barkay und anderen Zeugen aus Israel geschildertes Treffen maskierter Männer mit Frau Block kurz vor der Tat habe nicht stattgefunden. Die 53-Jährige habe nichts von Barkays Plänen für die Silvesternacht 2023/2024 gewusst und das nicht in Auftrag gegeben. Sie sei nur eine „Randfigur“ gewesen.

Sieben Angeklagte im Prozess

Insgesamt gibt es in dem Prozess sieben Angeklagte. Neben Block und Costard ist auch ein 36-jähriger Israeli Hauptangeklagter. Block und Costard wird vorgeworfen, einer israelischen Sicherheitsfirma den Auftrag zur Entführung der Kinder vom Wohnort des Vaters in Dänemark erteilt zu haben. Vier weitere Personen, darunter Blocks Lebensgefährte Gerhard Delling (67), stehen wegen Beihilfe vor Gericht. Bis auf den angeklagten Israeli bestreiten alle Angeklagten, etwas Unrechtes getan zu haben.

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Hintergrund der Zeugenaussage

Der Chef der Cyber-Sicherheitsfirma, Barkay, hatte sich mitten im laufenden Prozess aus Israel gemeldet und für seine Aussage sicheres Geleit bekommen. Der Zeuge habe mit der Staatsanwaltschaft kooperieren wollen, weil er den Eindruck gehabt habe, das könne sich lohnen, lautete der Vorwurf von Dellings Anwalt, David Rieks. Barkay muss zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls mit einer Anklage und einem Prozess rechnen. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Der 57. Verhandlungstag

Der 57. Verhandlungstag war der neunte Prozesstag, an dem der Chef des Sicherheitsunternehmens Fragen beantwortete. Der 69-Jährige hatte vor einigen Monaten ausgesagt, er sei engagiert worden, um die Familie des Ex-Mannes in Dänemark auszuspionieren und Informationen zu sammeln, die im Sorgerechtsstreit helfen sollten. Als das nicht den gewünschten Erfolg gebracht habe, sei der Druck auf ihn immer größer geworden. Er habe es so verstanden, dass er bei der Rückholaktion im Namen der Familie handele, sagte der Zeuge. Einzelheiten habe er vorher aber nicht verraten.

Details zur Person des Zeugen

Die Verteidigung wollte mehr über Barkays Biografie erfahren. „Ich bestätige, dass ich in der Vergangenheit im israelischen Geheimdienst war“, sagte der Zeuge laut Übersetzung aus dem Englischen. Näheres dürfe er dazu nicht sagen. Blocks Verteidiger Bott wollte wissen, ob der Mann beim Geheimdienst Techniken der Manipulation gelernt habe. „Ich habe niemals Leute manipuliert, ich habe andere Dinge getan“, antwortete er.

Sprachliche Herausforderungen

Bott befragte Barkay weiter zu seinem Lebenslauf: Er sei in Paris geboren, berichtete der 69-Jährige. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat er die israelische und die französische Staatsbürgerschaft. Barkay erklärte, er habe Islamwissenschaft studiert, aber auch mal Medizin angefangen. Zudem sei er an den Universitäten in Oxford (Mathematik) und Harvard (Cybersicherheit) gewesen. Während der Befragung ging es oft nur langsam voran, weil der Zeuge angab, Fragestellungen nicht verstanden zu haben. Immer wieder berief sich Barkay zudem auf Erinnerungslücken.

Überraschende Antwort zur Muttersprache

Zum Abschluss stellte ein Verteidiger eine Frage, die auch viele Prozessbeobachter in den vergangenen Monaten immer wieder beschäftigt hatte: Warum sagte Barkay auf Englisch aus und nicht auf Hebräisch? „Meine Muttersprache ist Spanisch“, lautete die überraschende Antwort. Seine zweite Sprache sei Französisch. Seine dritte Sprache Englisch spreche er besser als Hebräisch. Dann ergriff Barkays Anwalt, Björn Kruse, das Wort: Er habe seinem Mandanten geraten, auf Englisch auszusagen, damit auch er als Zeugenbeistand die Originalaussagen verstehe. Das ermögliche es ihm, bei Feinheiten der Übersetzung eventuell einzugreifen.

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Der Prozess wird am kommenden Mittwoch mit weiteren Erklärungen der Verteidiger fortgesetzt.