Italienische Justiz wertet Bodycams nach Tod eines Marokkaners aus
Bodycams nach Tod eines Marokkaners ausgewertet

Ermittlungen nach tödlichem Polizeieinsatz in Bologna

Die italienische Justiz hat Ermittlungen zum Tod eines 42-jährigen Marokkaners eingeleitet, der bei einer gewaltsamen Festnahme in Bologna ums Leben kam. Die Staatsanwaltschaft von Bologna gab am Montag bekannt, dass die Bodycams der beiden beteiligten Polizisten zur Auswertung übergeben wurden. Der Fall, der durch minutenlange Videoaufnahmen dokumentiert ist, hat in Italien Empörung ausgelöst.

Video zeigt minutenlange Festnahme

Videos, die sich seit Sonntag in Onlinediensten verbreiten, zeigen, wie zwei Polizisten den Mann in Bauchlage am Boden festhalten. Der Mann schreit zunächst vergeblich um Hilfe und bleibt dann bewegungslos mit dem Gesicht auf dem Asphalt liegen, während die Polizisten ihm Hände und Füße fesseln. Zwei Sanitäter sehen zunächst unbeteiligt zu. Nach einer Weile drehen sie den Mann auf den Rücken und transportieren ihn ab. Der 42-jährige Abderrahim Fakir lebte seit seiner frühen Kindheit in Italien und hatte gültige Papiere. Seine Rechtsanwältin Barbara Spinelli, die ihm bei der Verlängerung seiner Aufenthaltserlaubnis unterstützt hatte, nannte ihn einen „freundlichen, gut ausgebildeten, respektvollen Menschen“. Sie habe versucht, seine Furcht vor einer Ausweisung zu zerstreuen. „Jetzt kann ich niemandem mehr sagen, dass er keine Angst zu haben braucht“, sagte Spinelli.

Hintergründe der Festnahme unklar

Die Hintergründe der Festnahme waren zunächst unklar. Nach italienischen Medienberichten sprachen die beteiligten Polizisten von einer psychiatrischen Krise des Mannes. Der Rechtsaußen-Vizeregierungschef Matteo Salvini verteidigte den Polizeieinsatz. Die Beamten hätten sich „professionell verhalten“, sagte er. Die Senatorin Ilaria Cucchi von den Grünen hingegen prangerte eine „unmenschliche Tat“ an und warf der Regierung vor, „Hass und Rassismus“ zu fördern.

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