Der Christopher Street Day (CSD) in Berlin endete am späten Samstagabend in einer Tragödie. Eine Person steuerte ein Fahrzeug in die Menschenmenge, mindestens ein Mensch kam ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt, einige davon schwer. Die Behörden gehen inzwischen von einem Anschlag aus. Augenzeugen berichten von Schock und Entsetzen.
Der Tathergang: Ein Fahrzeug rast in die Menge
Gegen 22 Uhr, als die Feierlichkeiten kurz vor dem Ende standen, geschah das Unfassbare. Ein Auto fuhr in die dicht gedrängte Menge nahe der Siegessäule. „Wir haben erst mal nur das Geräusch gehört und dachten, da sei vielleicht etwas heruntergefallen oder zusammengebrochen – man rechnet ja nicht mit so etwas“, schildert ein Augenzeuge. Erst durch den Hinweis eines anderen Besuchers habe man begriffen, dass ein Fahrzeug in die Menge gerast war. Die Polizei leitete sofort eine groß angelegte Evakuierung ein: „Ich bitte euch, ganz ruhig Richtung Ausgänge zu gehen. Bitte meidet den Weg Richtung Siegessäule“, hieß es über Lautsprecher.
Spiegel-Reporter vor Ort: „Menschen unter Schock“
SPIEGEL-Reporter Florian Kistler war mehrere Stunden am Tatort. Er berichtet: „Auf dem Weg in die Nähe des Tatorts sah man noch viele Menschen, die herumströmten, kleine Gruppen, die gut gelaunt waren. Zwei Männer teilten mir jedoch mit, dass sie in der Nähe waren, als das Auto die Menschenmenge erfasste. Sie standen unter Schock und waren sichtlich mitgenommen.“ Die Stimmung unter den verbliebenen Feiernden kippte schlagartig. Was zunächst als friedliches Fest begann, endete in Chaos und Trauer.
Betroffene: „Einer der schwärzesten Tage für die queere Community“
Ein Teilnehmer des CSD drückt seine Bestürzung aus: „Es ist ein Tag für die queere Community, der von Entsetzen, von Schock ist. Viele Freunde sind betroffen, mussten evakuiert werden. Zum Glück geht es allen gut, aber es ist beängstigend. Es wird die Zukunft zeigen, wie wir damit umgehen. Es ist einer der schwärzesten Tage für die queere Community und ein Tag, von dem ich nie gehofft habe, ihn erleben zu müssen.“ Eine andere Person betont die Traurigkeit des Abends: „Es war eine sehr schöne Demonstration, eine tolle Veranstaltung mit vielen Künstlerinnen und Künstlern, die diesen Tag bunt und fröhlich gemacht haben. Umso tragischer ist es, dass es jetzt zu diesem Ereignis kam.“
Flucht und Fahndung: Tatverdächtiger aus islamistischer Szene
Der Fahrer des Wagens konnte zunächst fliehen. Seit Sonntagmorgen fahndet die Polizei mit einer Öffentlichkeitsfahndung nach einem 21-jährigen Mann, der der islamistischen Szene Berlins zugerechnet wird. Die Ermittler gehen von einem gezielten Anschlag aus. Der mutmaßliche Täter soll mit dem IS sympathisiert haben. Die Sicherheitsbehörden haben ihre Maßnahmen verstärkt, um weitere Gefahren zu verhindern.
Reaktionen und Ausblick
Der Anschlag hat bundesweit Bestürzung ausgelöst. Politiker aller Parteien verurteilten die Tat und sprachen den Opfern ihr Mitgefühl aus. Die queere Community zeigt sich erschüttert, aber auch entschlossen: „Wir werden uns nicht einschüchtern lassen“, erklärte ein Sprecher des CSD-Vereins. Die Ermittlungen dauern an, die Polizei bittet die Bevölkerung um Hinweise. Der Vorfall wirft erneut Fragen nach der Sicherheit bei Großveranstaltungen auf, insbesondere im Hinblick auf potenzielle islamistische Anschläge.



