Mutmaßlicher CSD-Attentäter Abdul B. bei Polizeieinsatz in Berlin getötet
CSD-Attentäter Abdul B. bei Polizeieinsatz getötet

Keine 24 Stunden nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin ist der Hauptverdächtige Abdul B. tot. Ein Sondereinsatzkommando (SEK) der Polizei erschoss den 21-Jährigen am Sonntagabend in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau. Nach Polizeiangaben war B. mit einer Stichwaffe auf die Beamten zugelaufen. Rettungskräfte versuchten vergeblich, ihn zu reanimieren. Er starb noch am Einsatzort.

Anschlag mit Transporter und Machete

Am Samstagabend hatte Abdul B. nach bisherigen Ermittlungen einen weißen Kleintransporter in eine Menschenmenge am Rande des CSD gesteuert. Anschließend soll er mit einer Machete auf Menschen eingestochen haben. Ein 54-jähriger Mann starb, 29 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Die Berliner Polizei leitete sofort eine Großfahndung ein und veröffentlichte ein Foto des gebürtigen Berliners.

Wohnungsdurchsuchung und entscheidender Hinweis

Am Sonntag durchsuchten Ermittler zunächst mehrere Stunden lang eine Wohnung im Zentrum Berlins, in der B. zuletzt gelebt haben soll. Gegen Mittag trugen Beamte einen Karton mit der Aufschrift „Spusi“ (Spurensicherung) aus dem Haus. Doch der Gesuchte blieb zunächst unauffindbar. Den entscheidenden Hinweis erhielt die Polizei laut „Bild“-Zeitung aus dem persönlichen Umfeld des Täters. Zwischen 15 und 16 Uhr bezogen Kräfte Stellung rund um eine Kleingartenanlage nahe der Straße Am Omnibus in Spandau.

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Zugriff in Parzelle 46

Die Ermittler vermuteten Abdul B. in der Parzelle 46 der Kleingartenkolonie. Der erste Vorsitzende der Anlage, Carsten Barthel, berichtete der „Bild“-Zeitung, der Weg zur Anlage sei zunächst noch zu Fuß passierbar gewesen. „Alle 20 Meter stand ein Polizist mit einer Maschinenpistole“, sagte Barthel. Später riegelten die Beamten die Zugänge ab. Dann rückte das SEK an. Gegen 18 Uhr hörte Barthel etwa vier bis fünf Schüsse. „Es waren deutliche Schüsse, ich habe sofort verstanden, was los ist“, sagte er.

Polizei bestätigt Tod des Verdächtigen

Die Berliner Staatsanwaltschaft informierte zunächst über einen Einsatz im Zusammenhang mit dem CSD-Vorfall. Ein Polizeisprecher bestätigte auf SPIEGEL-Anfrage die Beteiligung des SEK. Eine Sprecherin des Generalbundesanwalts erklärte schließlich, dass bei dem Einsatz Schüsse gefallen seien und eine Person ums Leben kam – mutmaßlich der Hauptverdächtige. Eine abschließende Identifizierung stehe noch aus. Auch die Berliner Senatsinnenverwaltung bestätigte den Tod von Abdul B. Die genauen Umstände werden nun von der Generalbundesanwaltschaft untersucht, die unter anderem für islamistischen Terrorismus zuständig ist. Sie geht von einer islamistisch motivierten Tat aus und ermittelt auch zu möglichen Mittätern.

Kleingartenanlage gesperrt – Vater des Täters entlastet

Carsten Barthel erklärte gegenüber „T-Online“, die Kleingartenanlage sei auf Anweisung der Polizei vorerst gesperrt. Er dementierte Medienberichte, wonach der Vater von Abdul B. die Parzelle 46 gepachtet habe. „Das ist falsch“, sagte der 56-Jährige. Er kenne die Pächterin, die nach seinem Wissen nichts mit der Familie B. zu tun habe. In der gesamten Anlage gebe es keinen Pächter mit dem Namen B.

Politische Reaktionen und Ausblick

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) lobte im RBB die schnelle Ergreifung des Tatverdächtigen. „Wir können frei und sicher leben“, sagte Wegner. „Berlin ist eine Stadt der Freiheit und Vielfalt. Die Berliner Polizei hat innerhalb von 24 Stunden den Tatverdächtigen gefasst – ein großer Erfolg der Ermittlungsbehörden.“ Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) gab im ARD-„Brennpunkt“ vorsichtige Entwarnung: „Es gibt weitere Maßnahmen, aber wir gehen aktuell von keiner weiteren Gefährdung aus. Das ist aber eine Momentaufnahme.“ Die Suche nach möglichen weiteren Verdächtigen laufe. „Es gibt eine weitere Person im Fokus, das hat sich aber nicht erhärtet, ist aber auch nicht abgeschlossen.“ Dobrindt betonte, dass solche Anschläge typischerweise von Einzeltätern begangen würden.

Der SPIEGEL sprach mit dem Vater des mutmaßlichen Attentäters, der berichtete, wie er am Tattag noch mit seinem Sohn telefoniert habe. Die Ermittlungen zu Hintergründen und möglichen Netzwerken laufen auf Hochtouren.

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