Kontroverse um den letzten Bunkerrest der Neuen Reichskanzlei
An der Voßstraße in Berlin stand einst die Neue Reichskanzlei, das Machtzentrum der NS-Diktatur und Mittelpunkt des NS-Regierungsviertels. Der von Albert Speer geplante monumentale Bau wurde nach dem Krieg abgerissen – einer der wenigen Bauten in Deutschland, die aus politischen Gründen beseitigt wurden. Doch nicht vollständig: Auf dem Gelände existiert noch heute ein Bunker. Gegen die Pläne, dessen Reste für den Bau neuer Wohnungen und Büros abzureißen, regt sich nun Widerstand.
Einspruch prominenter Stadtplaner
Prominente Stadtplaner wie Christiane Post, Victoria Grau, Max Welch Guerra und Harald Bodenschatz erheben Einspruch. In einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel argumentieren sie: „Die Reste von Hitlers Neuer Reichskanzlei gehören zur Berliner Erinnerungskultur.“ Sie fordern, dass die Bunkerüberreste als historisches Zeugnis erhalten bleiben müssen, anstatt sie für Neubauten zu opfern.
Historische Bedeutung des Bunkers
Der Bunker war Teil des weitläufigen Bunkersystems unter der Reichskanzlei. In seinen Räumen hielt sich Adolf Hitler in den letzten Kriegstagen auf, bevor er sich am 30. April 1945 das Leben nahm. Der Bunker ist somit ein direkter Ort der NS-Geschichte. Die Stadtplaner betonen, dass der Erhalt dieser Relikte für die Aufarbeitung der Vergangenheit unerlässlich sei. „Die materielle Hinterlassenschaft des NS-Regimes darf nicht einfach verschwinden“, so die Autoren.
Pläne für Wohnungs- und Bürobauten
Die Berliner Senatsverwaltung plant auf dem Grundstück an der Voßstraße den Bau von Wohnungen und Büros. Die Bunkerruine soll dafür abgerissen werden. Die Stadtplaner kritisieren dies als „Geschichtsvergessenheit“ und fordern eine öffentliche Debatte über den Umgang mit den Relikten. Sie schlagen vor, die Bunkerstruktur in die Neubauten zu integrieren oder als Gedenkort zu gestalten.
Erinnerungskultur in Berlin
Berlin verfügt bereits über mehrere Gedenkstätten zur NS-Zeit, darunter das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors und die Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Die Stadtplaner sehen in den Bunkerresten eine weitere Chance, die Geschichte sichtbar zu machen. „Jeder Ort, der an die Verbrechen des Nationalsozialismus erinnert, ist wertvoll für die demokratische Bildung“, erklären sie.
Ausblick
Der Streit um die Bunkerruine zeigt die anhaltende Sensibilität im Umgang mit NS-Architektur. Während die Stadtverwaltung auf Wohnraumschaffung drängt, fordern Historiker und Stadtplaner den Erhalt des historischen Erbes. Eine Entscheidung steht noch aus. Die Debatte wird in den kommenden Wochen weitergeführt werden. Die Autoren des Gastbeitrags appellieren an die Verantwortung der Politik, die Erinnerungskultur nicht den Bauinteressen zu opfern.



