DGHS in der Kritik: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Totschlagsverdacht
DGHS-Kritik: Ermittlungen wegen Totschlagsverdacht

Die größte Suizidhilfeorganisation Deutschlands, die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS), sieht sich zunehmender Kritik ausgesetzt. Angehörige von Verstorbenen berichten von Zweifeln und Schuldgefühlen, die nach dem assistierten Suizid zurückblieben. In einem Fall ermittelt die Staatsanwaltschaft Köln sogar wegen des Verdachts auf Totschlag.

Verdacht auf Totschlag in mittelbarer Täterschaft

Seit Anfang 2026 ermitteln die Kölner Behörden gegen zwei Sterbebegleiter der DGHS. Sie sollen einem 47-jährigen Mann beim Suizid geholfen haben, der offenbar psychisch krank war. Der Anfangsverdacht lautet auf Totschlag in mittelbarer Täterschaft. Dies bedeutet, dass die Helfer den Tod des Mannes möglicherweise bewusst herbeigeführt haben, indem sie seine Entscheidungsfähigkeit ausnutzten.

Die DGHS selbst bestreitet die Vorwürfe. Ein Sprecher betonte, dass man sich an strenge interne Standards halte. Dennoch mehren sich die Berichte von Angehörigen, die sich von der Organisation im Stich gelassen fühlen. Ein Mann erklärte: „Ich fühlte mich als Angehöriger von der DGHS alleingelassen, hinter das Licht geführt.“

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Recht auf Suizidhilfe seit 2020

Das Bundesverfassungsgericht hatte 2020 entschieden, dass jeder Mensch in Deutschland das Recht hat, sich beim Suizid helfen zu lassen – unabhängig davon, ob er schwer krank ist oder nicht. Seitdem hat die DGHS ihre Aktivitäten ausgeweitet. Allein 2025 unterstützte die Organisation knapp 900 Menschen dabei, sich das Leben zu nehmen.

Kritiker bemängeln jedoch, dass es an einer gesetzlichen Regulierung fehlt. Bislang gibt es in Deutschland kein Gesetz, das die Regelungslücken bei der Suizidhilfe schließt. Dies führe zu einer Grauzone, in der Organisationen wie die DGHS weitgehend unkontrolliert agieren könnten.

Vorwürfe gegen die DGHS

Angehörige berichten, dass Suizidhelfer Todeswünsche oft „stumpf abwickelten“ und sich nicht an die vereinseigenen Standards hielten. In einigen Fällen sei der Kontakt nach dem Tod abgebrochen, es habe keine Nachsorge gegeben. Die DGHS weist diese Vorwürfe zurück. Man habe ein umfassendes Betreuungsangebot und halte sich an alle gesetzlichen Vorgaben.

Der Fall des 47-jährigen Mannes zeigt jedoch, dass die Praxis möglicherweise von den Richtlinien abweicht. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Köln laufen noch. Sollte sich der Verdacht bestätigen, könnte dies weitreichende Konsequenzen für die Suizidhilfe in Deutschland haben.

Podcast „Firewall“ beleuchtet Hintergründe

In der aktuellen Folge des SPIEGEL-Podcasts „Firewall“ wird das Thema ausführlich behandelt. Host Sandra Sperber spricht mit Reportern über die Auswirkungen des Karlsruher Urteils, die tatsächlichen Abläufe bei einem assistierten Suizid und die fehlende gesetzliche Regelung. Der Podcast ist in allen gängigen Podcast-Apps verfügbar.

Die Kritik an der DGHS zeigt, dass die Debatte um Sterbehilfe in Deutschland noch lange nicht abgeschlossen ist. Während das Bundesverfassungsgericht klare Rechte definiert hat, fehlt es an einer konkreten Umsetzung, die sowohl die Autonomie der Betroffenen schützt als auch Missbrauch verhindert.

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