DNA-Analyse: Sechs Fortschritte, die Spuren wie Geständnisse machen
DNA-Analyse: Sechs Fortschritte machen Spuren zu Geständnissen

Der Schatten der Jalousien schiebt sich durch das schmale Labor, bis es stockduster ist. Der DNA-Experte Harald Brumm tritt im weißen Kittel, mit Haube und Mundschutz an die Arbeitsplatte. Für ihn kann eine einzige Spur so eindeutig sein wie ein Geständnis. Doch auch die Täter haben dazugelernt und versuchen, die Kriminaltechnik auszutricksen. Ein Blick in die Welt der Gene zeigt die sechs größten Fortschritte der DNA-Analyse.

1. Hochsensitivität: Winzigste Spuren reichen

Früher benötigten Forensiker eine Stecknadelkopf-große Menge an biologischem Material. Heute genügen wenige Zellen, etwa von einem Fingerabdruck oder einem Glasrand. Die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) vervielfältigt selbst minimale DNA-Mengen millionenfach. Laut Brumm können so selbst Spuren ausgewertet werden, die Jahre alt sind.

2. Mischspurenanalyse: Entwirrung mehrerer Profile

Ein großer Durchbruch gelang bei der Analyse von Mischspuren, die von mehreren Personen stammen. Moderne Algorithmen trennen die Profile, etwa bei einer Vergewaltigung, wo Täter- und Opfer-DNA vermischt sind. Brumm betont: „Heute können wir mit hoher Wahrscheinlichkeit einzelne Profile isolieren, selbst wenn die Spuren nur schwach sind.“

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3. Stammbaumanalyse: DNA-Datenbanken und Verwandtschaftssuche

Die Polizei nutzt DNA-Datenbanken, um Täter über Verwandte zu finden. In Deutschland sind über eine Million Profile gespeichert. Bei einem Treffer in der Datenbank kann die Verwandtschaft zu einem Täter führen, selbst wenn dieser selbst nicht registriert ist. Dies half bereits in mehreren ungelösten Mordfällen.

4. Phänotypisierung: Vorhersage von Aussehen und Herkunft

Aus DNA lassen sich heute Augen- und Haarfarbe, Hautpigmentierung und biogeografische Herkunft ableiten. Diese Methode, die in den Niederlanden und den USA eingesetzt wird, ist in Deutschland noch umstritten. Brumm erklärt: „Wir können keine Fotos erstellen, aber die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Merkmale angeben.“

5. Altersschätzung: Wie alt ist der Spurenleger?

Ein neues Verfahren schätzt das Alter einer Person anhand von DNA-Methylierungsmustern. Diese epigenetischen Veränderungen nehmen mit dem Lebensalter zu. Die Methode hat eine Genauigkeit von etwa plus/minus fünf Jahren. Das hilft der Polizei, den Täterkreis einzugrenzen.

6. Zeitpunkt der Spurenlegung: Wann wurde die Spur hinterlassen?

Forscher arbeiten daran, den Zeitpunkt der Spurenlegung zu bestimmen. RNA-Analysen zeigen, wann bestimmte Gene aktiv waren. So kann unterschieden werden, ob eine Spur frisch ist oder schon länger liegt. „Das ist Zukunftsmusik, aber vielversprechend“, so Brumm.

Trotz dieser Fortschritte warnen Experten vor überhöhten Erwartungen. Jede Methode hat Grenzen, und die Qualität der Spuren ist entscheidend. Brumm resümiert: „Die DNA-Analyse ist ein mächtiges Werkzeug, aber kein Allheilmittel. Die menschliche Interpretation bleibt unerlässlich.“

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