Der bislang längste Prozesstag im Mordfall Fabian brachte neue Details ans Licht. Acht Zeugen sagten vor dem Landgericht aus, wobei die Aussagen von Fabians Vater und das Verhalten der Angeklagten Gina H. im Mittelpunkt standen. Besonders brisant: Die Frage, ob ein Mathelehrer die teure Pferdeleidenschaft von Gina H. finanzierte.
Mathelehrer als Finanzier? Geldfluss im Fokus
Laut BILD-Reporter Johannes Schmitz, der vor Ort berichtete, konzentrierte sich die Vernehmung auf die finanziellen Hintergründe. Ein Zeuge, ein ehemaliger Kollege von Gina H., sagte aus, dass ein Mathelehrer regelmäßig Geldbeträge an die Angeklagte überwiesen haben soll. Dieser habe sich offenbar für ihre Pferdehaltung interessiert. „Es ging um mehrere tausend Euro, die für Stallmieten und Tierarztkosten verwendet wurden“, so der Zeuge.
Die Verteidigung von Gina H. bestritt jedoch eine direkte Verbindung zwischen den Zahlungen und der Tat. „Meine Mandantin hatte legitime Einnahmequellen“, erklärte Rechtsanwalt Dr. Markus Weber. Das Gericht ordnete an, die Kontoauszüge der Beteiligten zu prüfen.
Fabians Vater: Vorwürfe und Alibis
Ein weiterer Schwerpunkt war die Rolle von Fabians Vater. Dieser war bereits am Vortag vernommen worden und stand erneut im Kreuzverhör. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, sein Alibi nicht ausreichend belegt zu haben. Eine Polizistin sagte aus, dass der Vater zum Tatzeitpunkt angeblich zu Hause gewesen sei, aber Zeugen ihn in der Nähe des Tatorts gesehen haben wollen. „Die Aussagen widersprechen sich“, so die Beamtin.
Der Vater selbst beteuerte seine Unschuld: „Ich habe meinen Sohn geliebt und würde ihm nie etwas antun.“ Die Richterin kündigte an, weitere Zeugen zu laden, um die Widersprüche aufzuklären.
Verhalten der Angeklagten: Unbeteiligt oder kalkuliert?
Gina H. zeigte während der Verhandlung wenig Emotionen. Laut Gerichtsreportern saß sie meist mit gesenktem Kopf da, notierte gelegentlich etwas. Ein psychologischer Gutachter, der als Zeuge geladen war, beschrieb ihr Verhalten als „auffällig kontrolliert“. „Sie wirkt nicht wie eine Trauernde, sondern eher wie jemand, der sich abschirmt“, sagte der Experte.
Die Staatsanwaltschaft sieht darin ein Indiz für eine mögliche Tatbeteiligung. Die Verteidigung hingegen argumentiert, dass Gina H. unter Schock stehe und die Situation sie überfordere.
Weitere Zeugen und Beweise
Unter den acht Zeugen befanden sich auch Nachbarn und Bekannte von Fabian. Eine Nachbarin berichtete von Streitigkeiten zwischen dem Vater und Gina H. in den Wochen vor der Tat. „Es gab laute Auseinandersetzungen, meistens wegen Geld“, sagte sie aus. Ein weiterer Zeuge, ein Freund der Familie, erklärte, dass Fabian sich oft bei ihm über die Spannungen zu Hause beklagt habe.
Das Gericht ließ zudem ein Schuhgutachten verlesen, das bereits am Vortag diskutiert worden war. Die Spuren an den Schuhen von Gina H. sollen mit dem Tatort übereinstimmen, wie ein Sachverständiger bestätigte. Die Verteidigung zweifelt jedoch die Eindeutigkeit der Analyse an.
Prozessfortsetzung am Freitag
Der Vorsitzende Richter vertagte die Verhandlung auf Freitag, den 3. Juli 2026. Dann sollen weitere Zeugen gehört werden, darunter ein Finanzexperte, der die Geldflüsse zwischen dem Mathelehrer und Gina H. analysieren wird. Die Öffentlichkeit verfolgt den Fall mit großer Spannung, da es sich um einen der prominentesten Mordprozesse der letzten Jahre handelt.
BILD-Reporter Johannes Schmitz fasste zusammen: „Der heutige Tag hat viele neue Puzzleteile gebracht, aber ein klares Bild gibt es noch nicht. Die entscheidenden Fragen bleiben offen: Wer hat Fabian getötet und warum?“



