Im Mordfall des achtjährigen Fabian aus Güstrow ist der Prozess vor dem Landgericht Rostock am Dienstagmorgen um 9.30 Uhr in die zehnte Runde gegangen. Im Fokus steht die Auswertung des Smartphones der Hauptverdächtigen Gina H., die mittlerweile wieder eine Beziehung mit dem Vater des getöteten Jungen führt.
33.000 protokollierte Ereignisse auf dem Handy
Ein Polizist berichtete, dass die Auswertung des Mobiltelefons einen enormen Arbeitsaufwand verursacht habe. Allein zwischen dem 9. und 14. Oktober seien 33.000 Ereignisse protokolliert worden, darunter rund 1000 Sprachnachrichten. Besonders auffällig sei das Verhalten der Angeklagten am Tattag, dem 10. Oktober 2025.
Handy ausgeschaltet – ein Novum
Gegen 11.11 Uhr schickte Gina H. ein Foto von einem Waldspaziergang. Danach schaltete sie ihr Handy für etwa eineinhalb Stunden aus. „Das ist ein besonderes Ereignis“, betonte der Polizist, da dies zuvor nie vorgekommen sei. Der Akku sei zu diesem Zeitpunkt voll gewesen, wie der „Focus“ berichtet. Nach dem Wiedereinschalten wirkte Gina H. in ihren Nachrichten gestresst. Sie schrieb ihrem damaligen Partner Matthias R., dem Vater von Fabian, und äußerte den Wunsch, die Beziehung zu retten. Zuvor hatten sich beide gestritten.
Suche nach Polizei und vermisstem Jungen
Vom Tattag existieren Bilder von Gina H. im Auto, die auf Fabians Handy gespeichert waren und gegen 15.56 Uhr aufgezeichnet wurden. Kurz darauf war sie wieder zu Hause und suchte online nach „Polizei“. In Nachrichten an Freunde erwähnte sie, dass sie ihr Auto gereinigt habe. Im weiteren Verlauf des Abends suchte sie wiederholt nach aktuellen Polizeimeldungen, wie der „Focus“ aus dem Prozess berichtete.
Erst gegen 20.17 Uhr erfuhr Gina H. von Fabians Vater, dass der Junge seit Stunden vermisst wurde. Wenige Minuten später präzisierte sie ihre Suchanfragen und gab „Vermisste Person Güstrow“ und „Person vermisst“ ein. Laut Polizei reagierte sie empathisch und bot Hilfe an.
Belastende Nachrichten und Täterwissen
Am Morgen nach dem Verschwinden suchte Gina H. nach den Worten „fressen Wildschweine tote Menschen“, wie die „Bild“ schreibt. Die Ermittler schließen aus, dass ihr Handy gehackt wurde, da es dafür keine Anhaltspunkte gebe. Sie habe ihr Smartphone „intensiv genutzt“. In Nachrichten an Freunde äußerte sie sich über die Möglichkeiten der DNA-Spuren bei Wasser- und Brandleichen, was als Täterwissen gedeutet werden könnte.
Einen Tag später wurde Fabian tot aufgefunden. Den Fundort der Leiche bei Klein Upahl im Landkreis Rostock beschrieb Gina H. in Nachrichten, bevor die Leiche entdeckt wurde. Sie gab an, dort früher mit den Kindern Schlitten gefahren zu sein.
Gutachten: Sechs Messerstiche, Leiche angezündet
Laut einem rechtsmedizinischen Gutachten wurde Fabian mit sechs Messerstichen getötet und verblutete. Es gab keine Anzeichen für Abwehrverletzungen. Der Leichnam wurde nach dem Tod angezündet. Die Angeklagte Gina H. schweigt weiterhin zu den Vorwürfen.



