Jamieson Greer: Der Stratege hinter Trumps Zollpolitik
Jamieson Greer: Trumps Zollstratege

Jamieson Greer, der US-Handelsbeauftragte, hat in der vergangenen Woche eine Flut von neuen Zöllen gegen 60 Länder verkündet, darunter die Europäische Union, Großbritannien, China und Japan. Der 45-jährige Jurist gilt als treibende Kraft hinter der aggressiven Handelspolitik von Präsident Donald Trump. Seine Überzeugung: Die EU blockiere amerikanische Importe und schade der US-Wirtschaft.

Der Architekt der Zolloffensive

Greer bereitet die Entscheidungsoptionen für Trump vor und hat sich innerhalb der Regierung zu einem der einflussreichsten Berater entwickelt. Anders als die oft lauten Regierungsmitglieder wie Vizepräsident J.D. Vance oder Verteidigungsminister Pete Hegseth agiert Greer eher still und zurückhaltend. Doch seine EU-Skepsis kommt bei Trump gut an. Bereits im Frühjahr 2025 bezeichnete Greer die Wirtschaftspolitik der EU als „realitätsfern“. In Davos im Januar sagte er: „Unsere Autos sind genauso sicher wie eure, unsere Lebensmittel sind genauso gut wie eure“ – und kritisierte, Europa weigere sich, US-Standards als gleichwertig anzuerkennen.

Die jüngsten Zölle begründet Greer mit angeblichem Zwangsarbeit in Exportprodukten. Zuvor hatte der Supreme Court Trumps ursprüngliche Zölle für rechtswidrig erklärt, woraufhin Greer neue Wege finden musste. Diese neue Begründung präsentierte Trump am Donnerstag vergangener Woche.

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EU als Hauptziel: Zahlen und Argumente

Greer argumentiert stets mit dem Warenhandelsüberschuss der EU gegenüber den USA, den er auf über 200 Milliarden Dollar beziffert. Dass Dienstleistungen eingerechnet den Überschuss auf rund 20 Milliarden Euro drücken, ignoriert er. In einem Interview mit dem Council on Foreign Relations im Mai sagte er: „Der Überschuss der EU gegenüber den USA ist größer als der Chinas gegenüber den USA.“ Diese Zahl dient ihm als Rechtfertigung für die aggressive Zollpolitik.

Parallel zu Greers Ankündigungen drohte Trump wegen einer EU-Strafe gegen Google mit „erheblichen“ neuen Zöllen. Die EU-Kommission hatte den Alphabet-Konzern wegen Wettbewerbsverstößen belegt, woraufhin Trump Vergeltung ankündigte.

Vom McDonald's-Job zum Handelsstrategen

Greer wuchs in einfachen Verhältnissen in Paradise, Kalifornien, als eines von fünf Geschwistern auf. Seine Familie lebte in einem mobilen Haus, und er jobbte bei McDonald’s. Nach dem Jurastudium und einem Master in Paris diente er als Militäranwalt in der Türkei und im Irak. Seine Karriere im Handelsrecht begann bei der Kanzlei Skadden, wo er Stahlunternehmen vertrat. Sein Mentor Robert Lighthizer, Trumps erster Handelsbeauftragter, machte ihn zu seinem Stabschef. 2025 ernannte Trump Greer zum Handelsbeauftragten.

Greer steht für eine Politik, die das Handelsdefizit senken, Löhne erhöhen und den Anteil des verarbeitenden Gewerbes steigern soll. Doch nach eigenen Maßstäben hat er diese Ziele nicht erreicht. In einem Beitrag für die „Financial Times“ von Ende 2025 räumte er ein, dass die Defizite nicht wesentlich gesunken sind und der Anteil des produzierenden Gewerbes weiter fällt. Er argumentiert, dass Zölle allein nicht ausreichen, sondern ergänzende politische Maßnahmen nötig seien.

Aussicht: Neue Untersuchungen und Klagen

Trotz der Erfolglosigkeit seiner bisherigen Maßnahmen laufen weitere Untersuchungen, die zu neuen Abgaben führen könnten – etwa gegen Deutschland oder die EU. Allerdings sind bereits Klagen gegen die jüngsten Zölle eingereicht worden, sodass Greer möglicherweise bald wieder nach Ersatz suchen muss. Sein Einfluss in der Regierung bleibt jedoch ungebrochen.

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