Jugendamt-Mitarbeiterin: Gewalt und Drohungen sind Alltag
Jugendamt-Mitarbeiterin: Gewalt und Drohungen sind Alltag

Die Bluttat von Stade hat eine Debatte über den Schutz von Beschäftigten in Jugendämtern ausgelöst. Katharina Protz, eine erfahrene Sozialarbeiterin, kennt die alltäglichen Gefahren ihres Berufs nur zu gut. „Beleidigungen, Bedrohungen, beängstigende Erlebnisse – das ist für uns keine Seltenheit“, sagt sie. Die Tat von Stade habe sie nicht überrascht. „Eine Situation mit einem schwierigen Vater haben wir häufig“, erklärt Protz. Die Diskussion über bessere Schutzmaßnahmen mache sie jedoch wütend, da sie oft zu kurz greife oder an der Realität vorbeigehe.

Alltägliche Gewalt im Jugendamt

Protz berichtet von regelmäßigen Beschimpfungen und Drohungen durch Eltern oder andere Beteiligte. „Es kommt vor, dass wir bei Hausbesuchen bedroht werden oder dass uns jemand auflauert“, schildert sie. Die Gewalt sei nicht nur physisch, sondern auch psychisch belastend. Laut einer internen Umfrage der Gewerkschaft Verdi haben rund 60 Prozent der Jugendamtsmitarbeiter bereits verbale oder körperliche Gewalt erlebt. „Viele Kollegen tragen die Angst mit nach Hause“, so Protz weiter.

Die Bluttat von Stade als Wendepunkt?

Der Fall von Stade, bei dem ein Jugendamtsmitarbeiter getötet wurde, hat die Diskussion über Sicherheitsvorkehrungen neu entfacht. Politiker fordern mehr Videoüberwachung, Notrufsysteme und Begleitschutz für Außendienstmitarbeiter. Doch Protz zweifelt an der Wirksamkeit solcher Maßnahmen: „Technische Hilfsmittel sind gut, aber sie ersetzen keine grundlegende Veränderung der Arbeitsbedingungen.“ Sie kritisiert, dass die Politik oft nur auf spektakuläre Einzelfälle reagiere, anstatt strukturelle Verbesserungen anzugehen.

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Wut über unzureichende Debatte

„Die Debatte über besseren Schutz macht mich wütend, weil sie immer wieder an den gleichen Punkten scheitert“, sagt Protz. Statt mehr Personal und besserer Ausbildung würden nur kurzfristige Sicherheitslösungen diskutiert. „Wir brauchen mehr Zeit für die Arbeit mit den Familien, kleinere Fallzahlen und eine bessere Vernetzung mit anderen Hilfsangeboten“, fordert sie. Die Gewerkschaft Verdi unterstützt diese Forderung und verweist auf eine Überlastung vieler Jugendämter. „Die Kollegen arbeiten am Limit, das führt zu Frustration auf allen Seiten“, so ein Sprecher.

Konkrete Verbesserungsvorschläge

Protz plädiert für einheitliche Sicherheitsstandards in allen Jugendämtern. Dazu gehören feste Begleitpersonen bei Risikobesuchen, mobile Alarmierungssysteme und regelmäßige Schulungen zur Deeskalation. Auch die Einrichtung von „Schutzräumen“ in den Ämtern sei sinnvoll. „Manchmal reicht schon ein separater Raum, um eine Konfliktsituation zu entschärfen“, erklärt sie. Langfristig müsse die Politik jedoch die Arbeitsbedingungen insgesamt verbessern, um Gewalt vorzubeugen.

Reaktionen aus der Politik

Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) hat nach der Tat von Stade ein Maßnahmenpaket angekündigt. Dieses sieht unter anderem eine bessere Schulung der Mitarbeiter und mehr Polizeipräsenz in gefährdeten Bezirken vor. Die Kommunen fordern jedoch mehr finanzielle Unterstützung vom Bund. „Ohne zusätzliche Mittel bleiben viele Vorschläge Illusion“, kritisiert der Deutsche Städtetag. Protz bleibt skeptisch: „Ich habe schon viele Ankündigungen erlebt, aber geändert hat sich wenig.“

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