Grüne streiten über Männermanifest: Sorge um Wählerinnen
Grüne streiten über Männermanifest

In einer hitzigen Fraktionssitzung der Grünen ist es am Dienstag zu heftigen Auseinandersetzungen über ein sogenanntes Männermanifest gekommen. Rund ein Dutzend Abgeordnete hatten ein Papier vorgelegt, das für eine neue, positive Definition von Männlichkeit wirbt. Nun wächst in der Partei die Sorge, dass dieser Vorstoß vor allem Wählerinnen verschrecken könnte.

Inhalt des Manifests

Das Manifest, das von einer Gruppe um den Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel initiiert wurde, plädiert für eine Abkehr von traditionellen Männlichkeitsbildern. Es fordert mehr Empathie, Fürsorglichkeit und Gleichberechtigung im Umgang zwischen den Geschlechtern. „Wir wollen Männer ermutigen, sich von starren Rollenklischees zu lösen“, sagte Gastel dem SPIEGEL. Die Initiative sei als Beitrag zur feministischen Außen- und Gesellschaftspolitik der Grünen gedacht.

Kritik aus den eigenen Reihen

Doch das Papier stieß in der Fraktion auf erheblichen Widerstand. Mehrere Abgeordnete, darunter auch Frauen, äußerten die Befürchtung, dass das Manifest Wählerinnen abschrecken könnte. „Wir leben nach wie vor in einem Land, in dem die Mehrheit der Machtpositionen von Männern besetzt ist“, sagte die Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann. Sie warnte davor, mit dem Manifest den Eindruck zu erwecken, die Grünen würden die Probleme von Männern über die von Frauen stellen.

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Debatte um Prioritäten

Die Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge ergänzte, dass die Partei sich nicht in eine „Männerdebatte“ verlieren dürfe, während Frauen noch immer mit struktureller Benachteiligung kämpften. „Es geht nicht darum, Männlichkeit zu verteufeln, aber unsere politischen Prioritäten müssen klar sein“, so Dröge. Die Diskussion zeige, wie sensibel das Thema innerhalb der Partei sei.

Laut Teilnehmern der Sitzung gab es auch Zustimmung für das Manifest. Einige Abgeordnete argumentierten, dass eine progressive Männlichkeitsdebatte notwendig sei, um auch Männer für feministische Politik zu gewinnen. „Wenn wir nur über Frauen sprechen, erreichen wir die Hälfte der Gesellschaft nicht“, sagte ein Abgeordneter, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Reaktionen aus der Öffentlichkeit

Die öffentliche Reaktion auf das Manifest ist bislang verhalten. In sozialen Medien wird das Papier teils belächelt, teils scharf kritisiert. Vor allem konservative Stimmen werfen den Grünen vor, sich in „identitätspolitischen Nebenkriegsschauplätzen“ zu verlieren. Die Fraktionsspitze bemüht sich nun um Schadensbegrenzung und will das Thema in einer Arbeitsgruppe weiterberaten lassen.

Die Debatte zeigt, wie schwierig es für die Grünen ist, eine Balance zwischen progressiven gesellschaftlichen Forderungen und dem Anspruch, eine breite Wählerschaft anzusprechen, zu finden. Die Fraktion will das Manifest nun überarbeiten, um es für alle Seiten akzeptabel zu machen.

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