Kameras auf Damentoiletten: Bezirksamt Lichtenberg meldet weitere Funde
Kameras auf Damentoiletten: Bezirksamt Lichtenberg meldet Funde

Kameras auf Damentoiletten: Bezirksamt Lichtenberg meldet weitere Funde

Nachdem auf den Damentoiletten der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) am Campus Lichtenberg illegale Kameras entdeckt wurden, ist auch das Bezirksamt Lichtenberg in seinen Dienstgebäuden fündig geworden. Wie das Amt am Freitag mitteilte, seien Klettvorrichtungen für die Befestigung von Kameras auch in Damentoiletten der Liegenschaften an der Straße Alt-Friedrichsfelde gefunden worden.

Zuvor hatte das Bezirksamt nach Bekanntwerden der Vorfälle an der HWR am Donnerstag die Prüfung der eigenen Dienstgebäude an allen Standorten veranlasst. Bezirksbürgermeister Martin Schaefer (CDU) erstattete nach Angaben vom Freitag für das Bezirksamt Anzeige bei der Polizei. Die Hochschule für Wirtschaft und Recht und verschiedene Ämter des Bezirks befinden sich in dem gleichen Gebäudekomplex mit der Hausnummer 60.

Er sei „fassungslos“ und könne „diese abscheuliche Tat nur deutlich verurteilen“, lässt sich Schaefer in der Mitteilung des Bezirks zitieren. „So ein strafbares, widerliches und herabwürdigendes Verhalten können wir nicht einfach nur zur Kenntnis nehmen. Ich hoffe sehr, dass der oder die Täter gefunden und bestraft werden können.“

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HWR informierte Studierende per E-Mail

Die HWR hatte ihre Studierenden am Donnerstag per E-Mail über den Fund von Kameras auf den Damentoiletten am Campus informiert. Das Schreiben liegt dem Tagesspiegel vor. Eine Sprecherin der Hochschule bestätigte den Inhalt der E-Mail.

Der Mail zufolge sind am Mittwoch in den Damentoiletten der Häuser 1 (Aufgang 1 und 2), 6A und 6B mehrere illegal installierte Kameras entdeckt worden. Die Geräte waren mit einem Klettverschluss an Mülleimern angebracht worden. In weiteren Toiletten sind nur die Klettkonstruktionen, aber keine weiteren Kameras gefunden worden.

Noch am Mittwoch hat die Hochschule Strafanzeige erstattet. Das Landeskriminalamt (LKA) ermittelt in diesem Fall wegen des Verdachts auf Eingriffe in den höchstpersönlichen Lebensbereich, wie ein Sprecher bestätigte. Mit dem Fall sei das LKA 14 befasst, das bei Sexualdelikten ermittelt. Dem Sprecher zufolge sind die Toiletten öffentlich und für alle zugänglich. Kriminaltechniker untersuchen die Kameras nun. Nach Tagesspiegel-Informationen soll es sich um recht einfache Geräte und günstige Massenware handeln, die die Aufnahmen speichern, diese aber nicht online senden.

Hochschulleitung reagiert auf Kamerafunde

Noch am Donnerstagabend reagierte die Kanzlerin der Hochschule, Andrea Syring, auf die Kamerafunde. Es gebe viele Fragen und Sorgen, sie könne die Verunsicherung sehr gut nachvollziehen, teilte sie in einer Rundmail an Studierende und Mitarbeitende mit. Dennoch wolle sie im Namen der Hochschulleitung dazu ermutigen, ab Freitag wieder auf den Campus zu kommen. „Gemeinsam können wir solche verstörenden Ereignisse besser bewältigen, als alleine.“

Das Präsidium bedauere diesen Vorfall außerordentlich und setze alles daran, gemeinsam mit den zuständigen Stellen die Vorgänge so schnell wie möglich aufzuklären, heißt es in der Mitteilung weiter. Die Kanzlerin ruft zudem dazu auf, gemeinsam über das Ereignis hinwegzukommen, „indem wir uns treffen, miteinander sprechen und uns gegenseitig stärken und unterstützen“.

Die HWR Berlin hat laut Syring bislang keine Kenntnis darüber, ob und in welchem Umfang Bilder entstanden sind. Daher könne die Hochschulleitung auch nicht proaktiv auf betroffene Personen zugehen.

Diese Maßnahmen ergreift die Hochschule

Die Hochschule hat derweil mehrere Maßnahmen ergriffen. Die Vermieterin der HWR, der landeseigene Immobiliendienstleister BIM, sei damit beschäftigt, sämtliche Sanitärbereiche sorgfältig abzusuchen, schreibt Syring. Damit solle ausgeschlossen werden, dass weitere Kameras installiert wurden.

Außerdem führe die Hochschule mit dem Sicherheitspersonal, Reinigungskräften und dem Hausmeisterdienst verstärkte Schwerpunktkontrollen aller WC-Anlagen und Sanitärbereiche durch, heißt es in der E-Mail. Dies geschehe nach Auskunft der Kanzlerin genauso am Campus Schöneberg.

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Studierende und Mitarbeitende sollen nun auf Auffälligkeiten in den Sanitärbereichen und angrenzenden Zonen achten. Konkret genannt werden „ungewöhnliche Gegenstände oder Halterungen“ an Abfallbehältern oder Wänden. Verdächtige Gegenstände sollen aber nicht berührt oder entfernt werden. Stattdessen rät Syring in solchen Fällen dazu, den Sicherheitsdienst und das Gebäudemanagement zu informieren.

Betroffen sind auch die Toiletten in einem Bereich, an dem angehende Polizisten für den gehobenen Dienst ausgebildet werden. „Wir sind entsetzt und hoffen, dass die Ermittlungen dazu führen, dieses abscheuliche kriminelle Vorgehen aufzuklären“, sagte Benjamin Jendo, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei. Es sei gut, dass die HWR-Leitung umgehend reagiert und sensibilisiert hat. „Die Ausbildungsstandorte unserer Nachwuchskräfte müssen sichere Orte sein. Und das ist ein unglaublich perfider Eingriff in die Persönlichkeitsrechte unserer weiblichen Studis. Es darf keinerlei Platz für Spanner geben.“

Mittlerweile hat die Hochschule ein psychologisches Betreuungsangebot eingerichtet. „Uns ist bewusst, dass diese Nachricht verunsichern und belasten kann“, heißt es im Schreiben der Hochschulleitung. Wer selbst betroffen ist oder sich unsicher fühle, solle sich melden. „Wir nehmen jede Meldung ernst“, so Syring.