Tod eines Kleinkinds in Schorndorf: Ermittlungen gegen Mutter
Kleinkind in Schorndorf gestorben: Ermittlungen gegen Mutter

In Schorndorf bei Stuttgart ist ein 20 Monate altes Mädchen leblos in einem Auto auf einem Parkplatz aufgefunden worden. Die Mutter soll das Kind bei hochsommerlichen Temperaturen über mehrere Stunden im Fahrzeug vergessen haben. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen die 44-jährige Frau eingeleitet, wie eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mitteilte.

Die Kriminalpolizei Waiblingen und die Staatsanwaltschaft Stuttgart führen die weiteren Ermittlungen. Die Mutter, die nach Polizeiangaben einen Rechtsbeistand beantragt hat, wurde bisher nicht vernommen. „Bislang ist nicht sicher, ob und in welcher Form sich die Mutter äußern wird“, sagte ein Polizeisprecher. „Es ist jetzt elementarer Bestandteil der Ermittlungen, den Tag zu rekonstruieren.“

Mutter in emotionalem Ausnahmezustand

Wo sich die Frau befand, als das Kind allein im Auto war, ist bislang nicht bekannt. „Die Mutter befindet sich natürlich in einem emotionalen Ausnahmezustand“, sagte Robert Silbe vom Polizeipräsidium in Aalen der „Stuttgarter Zeitung“. Es werde auch „in Richtung Straffähigkeit der Mutter ermittelt“. Eventuell habe die Frau fahrlässig gehandelt.

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Laut „Bild“-Zeitung war die Mutter auf dem Weg zur Arbeit und wollte ihre Tochter in der Kinderkrippe abgeben. Sie parkte das Auto vor einer Kletterhalle und ging zur Arbeit. Gegen 15 Uhr fand sie das Kind leblos auf und alarmierte selbst den Rettungsdienst. Ein Notarzt und der Rettungsdienst versuchten sofort, das Kind wiederzubeleben, doch die Einjährige starb noch am Unfallort.

Stadt Schorndorf und Obduktion geplant

Schorndorf liegt etwa 30 Kilometer von Stuttgart entfernt im Rems-Murr-Kreis und hat rund 42.000 Einwohner. Die Obduktion des Mädchens soll zeitnah stattfinden. „Davon erhoffen wir uns weitere Erkenntnisse“, sagte Silbe. Zu klären ist unter anderem, inwiefern die Hitze eine Rolle gespielt haben könnte oder ob andere gesundheitliche Gründe zum Tod führten. Auf dem Parkplatz herrschten am Mittag etwa 28 Grad im Schatten, wie die „Bild“ berichtete.

Der Innenraum des Fahrzeugs dürfte sich schnell aufgeheizt haben. Der ADAC warnt eindringlich: „Lassen Sie Ihr Baby oder Kind niemals allein in einem geparkten Auto, auch nicht für wenige Minuten. Schon bei Lufttemperaturen von 20 Grad und Sonnenschein kann die Temperatur im Auto so stark ansteigen, dass es für den Nachwuchs gesundheitlich bedenklich wird.“ In direkter Sonne geparkt, erreicht das Wageninnere bei 24 Grad Außentemperatur bereits nach zehn Minuten 31 Grad, nach einer halben Stunde 40 Grad und nach einer Stunde 50 Grad. Bei 30 Grad Außentemperatur sind es nach einer Stunde 56 Grad. „Auch ein leicht geöffnetes Seitenfenster kann den Hitzestau nicht verhindern“, so der ADAC. Für Tiere gilt das Gleiche.

Hitze besonders gefährlich für Kleinkinder

Hitze ist für Babys und Kleinkinder noch schneller kritisch als für Erwachsene. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) erklärt, dass Kinder weniger schwitzen und ihren Körper schlechter abkühlen können. Zudem haben sie eine höhere Stoffwechselrate und produzieren mehr Wärme. Ihre Hautoberfläche ist im Verhältnis zum Körpergewicht größer, weshalb sie mehr Zeit benötigen, um sich an Hitze anzupassen.

Mediziner betonen, dass Kinder nie bei hohen Temperaturen allein im Fahrzeug gelassen werden dürfen. „Auch ein 14-Jähriger kann bei Hitze nach 30 Minuten im Auto kollabieren“, sagte Jakob Maske, Bundessprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Eine Dehydration könne sehr rasch eintreten, je kleiner das Kind, desto gefährdeter sei es.

Entsetzen in Schorndorf nach der Tragödie

Die Tragödie hat in Schorndorf tiefe Betroffenheit ausgelöst. „Ich verstehe nicht, dass es immer noch Leute gibt oder es sich noch nicht herumgesprochen hat, dass man so etwas bei diesen Temperaturen einfach nicht macht. Man lässt ein Kind überhaupt nicht allein im Auto“, sagte eine junge Frau der dpa. Eine 82-jährige Frau stimmte zu: „Ich habe selbst Kinder und Enkel. So etwas geht gar nicht. Schon für einen selbst ist die Hitze zu viel. Und dann die Vorstellung, auszusteigen und das Kind im Auto zu lassen – da hakt es bei mir schon.“

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Eine andere Bewohnerin denkt auch an die Rettungskräfte: „Ich frage mich, wie es den Sanitätern geht. Die hatten diesen leblosen Körper vor sich liegen und konnten nichts mehr machen. Das muss sie doch auch unheimlich beschäftigen. Mir geht das sehr nach.“

Es gibt aber auch Stimmen, die Verständnis für die Mutter zeigen. Dietmar Alsleben, gelernter Kinderkrankenpfleger, sagte: „Mir ist das nicht unbekannt. Natürlich ist ein solcher Fall schwer nachzuvollziehen. Aber ich sehe das etwas anders: Unter Stress denkt man manchmal an nichts.“ Er erinnert sich an den Fall eines Vaters, der sein Kind im Auto vergaß, als er es in den Kindergarten bringen sollte. „Das kann im Alltag schon passieren. Viele Leute sind so in ihren Alltag eingebunden, mit sich selbst oder anderen Dingen beschäftigt, dass so etwas passiert.“