Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat die Aberkennung des Doktortitels von Emanuel Lasker, dem einzigen deutschen Schachweltmeister, für nichtig erklärt. Die Universität stellte am 11. Juli 2026 fest, dass die 1939 aus rassistischen Gründen erfolgte Depromotion gegen rechtsstaatliche Prinzipien verstoßen habe und daher von Anfang an unwirksam gewesen sei.
Der lange Weg zur Rehabilitation
Emanuel Lasker, geboren 1868 in Berlinchen (heute Polen) in eine jüdische Familie, floh 1933 vor den Nationalsozialisten über die Niederlande, London und Moskau nach New York. 1938 entzogen ihm die Nazis die deutsche Staatsbürgerschaft, ein Jahr später aberkannte die Universität Erlangen ihm den Doktortitel mit der Begründung: „Lasker ist demnach das Tragen eines deutschen akademischen Grades unwürdig.“ 87 Jahre später setzte sich der Berliner Schachspieler Rolf-Dietrich Beran für die Wiedergutmachung ein.
Universität spricht von Menschenrechtsverletzung
In einer Mitteilung erklärte die FAU: „Die in den Jahren von 1933 bis 1945 vollzogenen, auf die nationalsozialistische Ideologie gegründeten Doktorgradentzüge verstießen gegen elementare Grundsätze der Rechtsstaatlichkeit und bedeuteten eine schwere Verletzung der Menschenrechte.“ Diese Entzüge seien nichtig gewesen und heute unwirksam – das gelte auch für „Mathematiker und Schachweltmeister Dr. Emanuel Lasker“.
Lasker hatte 1900 an der Universität Erlangen promoviert und wichtige Beiträge zur Mathematik geleistet, unter anderem zur Theorie der Module und Ideale. Er war mit Albert Einstein befreundet, mit dem er regelmäßig spazieren ging und über Physik diskutierte.
Schachkarriere und Vermächtnis
Von 1894 bis 1921 hielt Lasker den Schachweltmeistertitel – länger als jeder andere Spieler. Er verteidigte ihn fünfmal, unter anderem gegen Wilhelm Steinitz, und verlor ihn erst 1921 an José Raúl Capablanca. Einstein schrieb über Lasker: „Die ungeheure geistige Spannkraft, ohne welche keiner ein Schachspieler sein kann, war so mit dem Schachspiel verwoben, dass er den Geist dieses Spieles nie ganz loswerden konnte.“ Lasker starb 1941 in New York.



